Reisemaengel - wenn die Urlaubsfreude getrübt wird

Die Sommermonate stehen unmittelbar bevor und damit auch die Hauptreisezeit. Wirtschaftskrise hin oder her, viele fahren auch dieses Jahr wieder in Urlaub und wollen sich gerade in schwierigen Zeiten eine Auszeit vom stressigen Alltag und etwas Erholung gönnen. 

Was aber tun, wenn die Anlage vor Ort den Versprechungen im Reiseangebot so gar nicht entspricht, wenn man morgens schon vom Baggerlärm geweckt wird, wenn sich der Pool als Baustelle entpuppt und das Bad im Hotelzimmer als wunderbarer Gedeihboden für die vielfältigsten Schimmelkulturen und Insektenarten? 

In diesen Fällen ist wichtig, die bemängelten Punkte vor Ort möglichst detailliert zu dokumentieren oder noch besser direkt von der Reise- beziehungsweise Hotelleitung schriftlich bestätigen zu lassen. Je besser das Ausmaß der Mängel durch Fotos, Filmsequenzen, Zeugenaussagen von Mitreisenden oder formelle Bestätigungen belegt werden kann, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, später auch wirklich eine Rückerstattung des Reisepreises zu erreichen. Denn hier gilt: Wer mindern will muss auch beweisen können, dass der behauptete Mangel tatsächlich vorgelegen hat! 

Doch nicht alles, was den Reisenden stört, gilt auch automatisch als Reisemangel, der zur Minderung des Reisepreises führt. Zum einen kommt es darauf an, was im Reiseangebot tatsächlich zugesagt und versprochen worden ist. Zum anderen gibt es je nach Reiseziel regionale Besonderheiten, die der Tourist hinnehmen muss. So wird man in manchen Regionen dieser Welt durchaus mit einzelnen Exemplaren von Kakerlaken oder Geckos im Zimmer rechnen müssen; auch kann eine Klimaanlage in südlichen Ländern nicht den gleichen Wohnkomfort bieten wie bei uns in Deutschland. 

Doch letztlich geht es im Urlaub auch nicht darum, das berühmte Haar in der Suppe zu suchen. Liegen jedoch Mängel vor, die den Erholungswert drastisch einschränken, so kann dem verärgerten Touristen das Recht zustehen, einen Teil des Reisepreises zurückzuverlangen. Ob dies der Fall ist und wenn ja, in welchem Umfang, kann ein mit dem Reiserecht vertrauter Rechtsanwalt ermitteln. Für eine gute Beratung ist dieser dann auf Vorlage aller wichtigen Informationen zu dem Reiseangebot, des schriftlichen Reisevertrags und auf eine gute Dokumentation der Mängel angewiesen. 

Brisant werden auch immer öfter Situationen wie derzeit in Mexiko, wo nach dem Ausbruch der Schweinegrippe zwischenzeitlich das gesamte öffentliche Leben zum Erliegen kam. Reisende fragen sich dann schon vor Reiseantritt, wie die Rechtslage ist. Wenn das Außenministerium eine offizielle Reisewarnung ausgesprochen hat, besteht stets ein Recht auf kostenlose Stornierung der Reise. Dies war aktuell in Mexiko nicht der Fall, die Anbieter waren im Monat Mai jedoch aus Kulanz bereit, gebuchte Reisen kostenlos auf ein anderes Reiseziel oder einen anderen Zeitraum umzubuchen. 

Ob hierauf auch dann ein Rechtsanspruch bestehen würde, wenn keine Reisewarnung ausgerufen wurde, kommt je nach Einzelfall auf die konkreten Umstände vor Ort an. Da sich in Mexiko die Lage wieder entspannt hat und da in den Touristenregionen auf der Halbinsel Yucatan bislang praktisch noch gar keine Fälle von Schweinepest aufgetreten sind, können Reisende ihre Reisen dorthin entweder ganz normal antreten oder aber auf die Kulanz der Reiseveranstalter hoffen. 

Offizielle Reisewarnungen werden nur in ganz seltenen Fällen ausgesprochen, selbst nach einem Terroranschlag ist dies nicht automatisch der Fall – in bestimmten Ländern ist damit stets zu rechnen und das Außenministerium spricht dann von einer unveränderten Gefährdungslage.  

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