Räuberische Nützlinge

Biologische Schädlingsbekämpfung

Um ihre begehrten Reben gegen allerlei Ungeziefer und Krankheiten zu schützen, haben die Pfälzer Winzer Jahr für Jahr alle Hände voll zu tun. Ob mit biologischen Maßnahmen oder biotechnischen Methoden, den Schädlingen wird auf vielfältige Weise auf die Pelle gerückt. Unterstützung erhalten die Winzer dabei von einem mikroskopisch kleinen Tier, dem Typhlodromus pyri, zu Deutsch: Raubmilbe. Raubmilben sind weltweit verbreitet und zählen im deutschen Weinbau zu den bedeutendsten Nützlingen.

Als natürlicher Gegenspieler von Spinn- und Kräuselmilben können Raubmilben diese Schädlinge langfristig kontrollieren, deren wirtschaftlichen Schaden stark eingrenzen und meist den Einsatz von Akariziden (chemische Milbenbekämpfungsmittel) verhindern. Die Spinn- und Kräuselmilben sind schon lange in der gesamten Pfalz beheimatet und können starke Qualitätseinbußen beim Lesegut verursachen. Die Milben stechen die Zellen grüner Rebteile an und saugen sie aus, wobei sie mit ihrem Speichel Antiwuchsstoffe injizieren. Bereits im Frühjahr zeigen die Reben dann erste Anzeichen für einen Befall. „Sind die Reben von Spinnmilben, auch Rote Spinne genannt, befallen, sind die Rebblätter schlecht entwickelt“, erklärt Friedrich Louis, Abteilungsleiter der Phytomedizin im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz. „Die Blätter bleiben auffallend kleiner als gesunde Blätter und sind oft rötlich gefärbt. Betroffene Triebe zeigen einen schwachen, gestauchten Wuchs und können im Extremfall absterben“, so der Agrarwissenschaftler. Sommerbefall verursacht eine deutlich schlechtere Weinqualität, da die Blätter nur noch wenig Zuckerstoffe bilden. Bei Kräuselmilbenbefall verzögert sich der Austrieb und manche Knospen sterben ab. Je nach Schädigungsgrad treiben nur die Beiaugen der Rebe aus, sodass ein Besenwuchs entsteht. Die Reben sind meist auch von der Kräuselkrankheit betroffen, die sich in den stark verkleinerten, eingekrümmten und verkräuselten Blättern widerspiegelt.

Anpassungsfähige Schutzräuber

Daher sind der Schutz und die Förderung der räuberischen Milben für die langfristige Kontrolle der Schädlinge von entscheidender Bedeutung. Denn wenn bereits eine Raubmilbe pro Rebblatt vorhanden ist, lässt sich der Weinberg zuverlässig von Spinn- und Kräuselmilben frei halten. Die Raubmilben saugen die schädlichen Milben aus, können aber ebenfalls von pflanzlichen Substanzen wie Pollen leben. Sie werden auch als Schutzräuber bezeichnet, da sie, wenn ihre tierischen Nahrungsquellen dezimiert sind, die Reben nie verlassen. Raubmilben lassen sich einfach auf raubmilbenfreie Reben übertragen. Im Winter hängen Winzer raubmilbenbesetztes Schnittholz an den Stamm von ungeschützten Reben, damit die Raubmilben überwandern können. Im Sommer werden mit Laub ebenfalls Milben übertragen. Gerade bei Junganlagen ist die Übertragung der Nützlinge sehr wichtig, da auf neuangelegten Reben meist keine Raubmilben vorhanden sind.

Achtsames Entgegenwirken

Damit die biologische Kontrolle durch die Raubmilben überhaupt funktionieren kann, darf aber nur raubmilbenschonendes Pflanzenschutzmittel verwendet werden. Die Zulassungsbehörde im deutschen Weinbau testet aus diesem Grund jedes Mittel hinsichtlich ihrer Nebenwirkungen auf die Nützlinge. Denn werden die Raubmilben vernichtet, vermehren sich Spinn- und Kräuselmilben. „Diesen Hinweis sollte man auch für die private Gartenarbeit beachten“, rät Friedrich Louis. Auch wenn ein Busch im Garten von Blattläusen befallen ist, sollte man ihn nicht mit Raubmilben schädigenden Pflanzenschutzmitteln behandeln, weil dadurch auch die Nützlinge abgetötet werden. Das bestehende natürliche System kann schnell zerstört werden. Mit der Folge, dass der Schädlingsbefall nur noch verstärkt wird.

Nadine Baumann

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