Pfusch am Bau

Manchmal will man ja, kann aber nicht – und muss dann doch. Verzwickt ist die Situation, in der sich die Stadt Landau zurzeit befindet, die dann zu einer überraschenden Erkenntnis führte.
1981 beschloss der Landauer Stadtrat mit vielen Bedenken und durchaus nicht einstimmig den Bau der Rundsporthalle. Das Besondere damals wie heute ist die Konstruktion jener außergewöhnlichen Halle, deren Stabilität von der (Zug-)Festigkeit des Daches abhängt. Diese wird von einigen Parametern beeinflusst. Dazu zählen die Dachmembran, die Schweißnähte und gewissermaßen der Mittelpunkt des Dachs, auf den durch die tonnenschwere Lüftungsanlage Zug ausgeübt wird. Sind diese Parameter fehlerhaft, dann fällt die Rundsporthalle buchstäblich auseinander – bei einstürzender Decke. Fatal nun, dass genau dort – und das auch nur zufällig – gravierende Probleme festgestellt wurden. Die Schweißnähte zeigen in 75 Prozent der untersuchten Fälle Mängel auf, die auf das Jahr 1981 – also das Baujahr – zurückzuführen sind. Das Risiko eines Festigkeitsverlusts mit gleichzeitigem Totalschaden, was bei laufendem Betrieb einer Katastrophe gleichkommt, ist unübersehbar hoch. Die Halle steht nun weder für den Schul- noch für den Vereinssport zur Verfügung.
Und jetzt wird es für die Stadt Landau schwierig, da sie in der Pflicht ist, den Schulsport räumlich zu ermöglichen. Der Vereinssport jedoch zählt zu den freiwilligen Leistungen, die laut Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer gerne, wenn möglich, erbracht werden. Diese sind allerdings in der Betrachtung nun erst einmal zu vernachlässigen. Wäre das Stadtsäckel nicht so außerordentlich dünn, dann gäbe es zweifelsohne sofort die Entscheidung zum Bau einer neuen Halle. Eine für alle. Doch Luxus ist nicht angesagt. Gelder, die für die Landesgartenschau zugesagt wurden, dürfen nicht anderweitig verwendet werden.
Nun suchten die Verwaltung der Stadt Landau und der Werkleiter des zentralen Gebäudemanagements (GML), Michael Götz, mit seinem Team nach Wegen aus dem Dilemma und dachten dabei in alle Richtungen. Dabei werden Alternativen und Möglichkeiten erwogen, die zu kurz-, mittel- und langfristigen Lösungen führen, die vernünftig, bezahlbar und mehrheitsfähig und ohne unzumutbare Belastungen für alle, einige oder manche verbunden sind.
Es wurden vier Alternativen zur temporären Lösung, das bedeutet für die nächsten zwei bis drei Jahre, kostenmäßig überprüft. Dabei gingen die Prüfer des GML ergebnisoffen und vorurteilsfrei vor. Untersucht wurden die Ertüchtigung der Rundsporthalle, die Errichtung einer gebrauchten sowie einer neuen Traglufthalle und die Errichtung einer Industriehalle. Alle Kosten wurden im Zusammenhang mit Bau, Vorbereitungen, Material und anschließenden Betriebskosten zusammengetragen. Das erstaunliche Ergebnis war, dass die temporäre Ertüchtigung der Rundsporthalle mit anschließenden Betriebskosten aus  zwei Jahren bei 283.250 Euro liegen würde. Hingegen würde die Errichtung einer Traglufthalle gebraucht bei 889.557,75 Euro und neu bei 988.997,75 Euro inklusive Betriebskosten liegen. Der Bau der Industriehalle läge bei 898.914,75 Euro. Anhand der Zahlen ist ersichtlich, dass es sich nicht um Schätzung sondern um Berechnungen handelt. Alleine die nackten Zahlen machten die Entscheidung der gebildeten Arbeitsgruppe Sporthallenkonzeption fraktionsübergreifend für die Rundsporthalle sehr leicht. Nun erhielt die Stadt Landau einen Zeitpuffer, um über weitere bauliche Maßnahmen – ob Neubau oder Sanierung der Rundsporthalle – entscheiden zu können. Denn, dass nach zwei bis drei Jahren wieder Investitionen in die Rundsporthalle fällig sein werden, ist sicher. Die Ertüchtigung dient lediglich zur Sicherung und nicht zur Sanierung zählt.
In Deutschland wurden damals 70 Hallen mit dieser eigenwilligen Konstruktion gebaut, davon sechs in Rheinland-Pfalz. Nur eine wurde bislang derartig intensiv mit jenem niederschmetternden Ergebnis überprüft – die Rundsporthalle Landau. Mittlerweile interessiert man sich auch auf Bundesebene für die Landauer Probleme.

Magazin