Oekotourismus - ein weltweiter Markt in Bewegung

Zum Erhalt der Natur und der Unterstützung der lokal Ansässigen

Schon immer zog es Menschen in ferne Länder. In den letzten Jahren hat sich ein neuer Trend abgezeichnet: der Ökotourismus. Dieser Begriff entstand bereits während der 60er Jahren in den USA und wurde als eine Form von Tourismus definiert, der die Bedürfnisse der Umwelt sowie der lokalen Bevölkerung berücksichtigt. In den 80er Jahren war bereits eine Gegenbewegung zum herkömmlichen Massentourismus entstanden, die sich sanfter oder nachhaltiger Tourismus nannte. Dabei sollte umwelt- und sozialverträgliches Reisen zu einer Lösung, wenigstens aber einer Entschärfung der mit dem Tourismus verbundenen Probleme beitragen.

Besonders Gebiete mit bedrohter Flora und Fauna sind häufiges Ziel des Ökotourismus. Urlauber sollen die letzten Naturparadiese der Welt entdecken und gleichzeitig erkennen, dass die Natur geschützt werden muss, damit sie für die nächsten Generationen erhalten bleibt. Ökotourismus gilt als umweltfreundliches Reisen mit der Botschaft: Urlaub mit der Natur anstelle von Urlaub auf Kosten der Natur. Die international tätige Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) beschreibt Naturtourismus wie folgt: „Es handelt sich um ein spezielles Nachfragesegment, welches sich dadurch auszeichnet, dass naturbezogene Aktivitäten in attraktiven naturnahen Landschaften, bevorzugt in Schutzgebieten, ausgeübt werden.“ So sind denn auch atemberaubende Naturlandschaften und die Beobachtung von Tieren ein wesentlicher Bestandteil dieser Reisen, die preislich deutlich über den Kosten von Pauschalurlauben liegen. 

Ob es einen nun auf eine Südtiroler Alm, zu den Erdmännchen in der Kalahari oder den Walen nach Kanada zieht, die Reisen finden überwiegend in kleinen Gruppen oder auch individuell statt. Übernachtet wird meist in kleinen Gasthäusern, Pensionen oder auch Zelten. Die geringe Teilnehmerzahl soll verhindern, dass naturbelassene Gegenden vom Massentourismus überrollt werden. Große Hotelanlagen und ein ausgeprägtes Nachtleben findet man daher ebenso wenig wie luxuriöse Pflegebehandlungen und Wellnessangebote. 

Kritiker des Ökotourismus weisen jedoch darauf hin, dass Gebiete, die für den Ökotourismus geöffnet werden, auf Dauer ausgedehnte Erschließungen samt Infrastrukturausbau zu befürchten haben. Hinzu kommen der erhöhte Energie- und Wasserbedarf sowie die Entsorgung von Abfällen vor Ort. Hier sind besonders Entwicklungsländer mit ihren oft sehr niedrigen Umweltschutzauflagen gefährdet, da sie für ausländische Tourismusunternehmen, die mit geringem Kapitaleinsatz hohe Gewinne erzielen wollen, attraktiv sind. Außerdem schaden gerade Fernreisen durch ihre langen Flüge der Klimabilanz. So werden beispielsweise auf einem Flug von Deutschland nach Costa Rica etwa sechs Tonnen Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben. Viele Reiseveranstalter leisten zum Ausgleich aktiv einen Beitrag zur Regeneration: Sie pflanzen Bäume oder finanzieren Projekte im sozialen Sektor. 

Mittlerweile ist eine neue Variante des Ökotourismus hinzugekommen, die sich in den USA und England Volonteering, also Freiwilligenarbeit, nennt. Eine wachsende Anzahl an Menschen sucht eine Form des Reisens, bei der sie ihr persönliches Engagement einbringen können. Verschiedene Anbieter haben sich darauf spezialisiert, interessierten Globetrottern, die einen sozialen oder ökologischen Beitrag leisten wollen, entsprechende Projekte anzubieten. Elaine Arends ist eine von ihnen. Sie hat drei Wochen in einer Aufzuchtstation für Löwen in Südafrika gearbeitet und unvergessliche Eindrücke mit nach Hause gebracht. „Ich wollte auf keinen Fall wie eine normale Touristin reisen. Meine Zeit in einem Naturschutzprojekt zu verbringen, war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben. Ich habe nette Menschen getroffen und die Zeit mit den Löwenbabies wirklich genossen“, schwärmt die tier- und naturbegeisterte Hamburgerin.

Weitere Informationen zum Beispiel unter:

www.biosphere-expeditions.de
www.earthwatch.org/europe
www.travelworks.de 

Jaleh Nayyeri

Magazin