Nachhaltige Hilfe

Als Elizeo Ovure in Innsbruck Theologie studierte, war er sich der Unterstützung der Kirchengemeinde in Haßloch sicher. Seine Semesterferien verbrachte er häufig in Haßloch und erzählte den Familien, bei denen er zu Gast war, von seiner Heimat Uganda. Er berichtete vom Leben, von den Problemen, von der Armut und dem Schulsystem. Seine Sorgen galten den Kindern und ihrer Zukunft in einem armen Land, das immer wieder von Unruhen, von Soldaten und der tödlichen Krankheit Aids heimgesucht wird. Bildung, so wusste er aus eigener Erfahrung, ist der Schlüssel zu einer besseren Zukunft.

Aber Bildung kostet Geld, was Waisen, Halbwaisen oder Familien, die sich weit unterhalb des Existenzminimums aufhalten, nicht haben. In Uganda wird die siebenjährige so genannte Volksschule staatlich finanziert. Weiterführende Schulen sind im ganzen Land vorhanden, für die allerdings Schulgeld bezahlt werden muss. Dort können die Schüler nach sechs weiteren Schuljahren einen mit unserem Abitur vergleichbaren Abschluss erlangen. Alternativ werden nach vier Jahren Unterricht unterschiedliche Berufsausbildungen an der Schule angeboten. Handwerker, Krankenpfleger Bankangestellte, Verwalter oder Lehrer erhalten dort ihren qualifizierten Abschluss. 220 Euro kostet der Schulbesuch im Internat. Im Jahr! Darin enthalten sind Verpflegung und Unterbringung. Für europäische Verhältnisse ist dies ein geringer Betrag.

Für die Menschen Ugandas ist es ein Vermögen. Selbst Eltern, die ihren Kindern einen Schulbesuch ermöglichen, begleichen die Rechnung nicht selten mit ihrer Arbeitsleistung oder Naturalien. Eine Durchschnittsfamilie in Uganda versorgt sechs Kinder. In Notfällen, die leider in Uganda keine Seltenheit sind, nehmen sie zu den eigenen Kindern auch die Kinder von Verwandten auf. Doch das Schulgeld für alle eigenen Kinder inklusive Pflegekinder zu finanzieren, übersteigt ihre Möglichkeiten bei weitem. Elke Kopf und ihre Familie lernten Elizeo bei einem seiner Besuche in Haßloch kennen. Seine Erzählungen veranlassten sie schnell, eine Patenschaft für mittellose Kinder zu übernehmen. Sie bezahlen das Schulgeld und ermöglichen so nicht nur Bildung, sondern eine Kindheit - und nicht selten schlichtesÜberleben. 2001 gründete Elke Kopf die Projektgruppe Bildung bedeutet nachhaltige Entwicklung, die sich um die Vermittlung von Schulpatenschaften bemüht. Sehr schnell fanden sich Familien, Firmen und kleine Institutionen, die ebenfalls ein oder zwei, manche sogar bis zu vier Schulpatenschaften übernommen haben.

Elke Kopf engagiert sich ehrenamtlich. Ihr Mann ebenfalls und Elizeo ist mit ganzem Herzen dabei. Das Schulgeld fließt ohne jegliche Abzüge über Elizeo an die Schulen. Weder Familien, Kinder, Clanchefs oder Institutionen erhalten in Uganda Zugriff auf das Geld. Wer mehr Geld geben möchte – und das sind die meisten Familien – finanziert damit die Schuluniform, Kleidung, Bücher oder Schulmaterial. Die Projektgruppe ist klein, aber effektiv. Zurzeit sind es 60 Familien, die bis zum Ende dieses Schuljahres in Uganda 91 Kindern einen Abschluss ermöglichten. Elke Kopf spricht von einer nachhaltigen Entwicklungshilfe für die gesamte Region. „Man merkt es den Dörfern in der Umgebung an, dass mittlerweile an drei Schulen Schulpatenschaften bestehen“, sagt Elizeo.

Zu ihm kommen die Kinder zum Teil selbst mit der Bitte um Unterstützung. Er erfährt von ihrer Bedürftigkeit auch über Verwandte oder Freunde. Elizeo, der seit dem Jahr 2000 als Priester in seiner Heimat tätig ist, prüft jeden einzelnen Fall genau und schlägt die Kinder der Haßlocher Projektgruppe unter der Leitung von Elke Kopf vor. Sie sucht die passenden Paten und hält mit ihnen Kontakt. „Durch eine größere Spende konnten wir auf Elizeos Missionsstation ein Gemeinschaftshaus errichten. Dort finden die Waisenkinder in ihren Schulferien eine Unterkunft und ein Stück Geborgenheit und Sicherheit“, erzählt sie. Nach zwölf Jahren Schulpatenschaft, in der die Schulen regelmäßig Geld erhielten, konnten Lehrmittel und Ausstattungen für eine bessere Bildungssituation angeschafft werden. Schlafsäle, Küchen und Klassen sind in einem weitaus besseren Zustand als noch vor dem Haßlocher Engagement. Die Schulabgänger fanden Arbeit, verdienen Geld und unterstützen heute ihrerseits bedürftige Schüler. Sie bringen Arbeit und Geld in die Region und sind heute der Motor für eine bessere Zukunft.

Magazin