Menschen im Zoo

Kürzlich waren wir im Zoo. In Köln. An einem Sonntagvormittag bei strahlendem Wetter zog es nicht nur uns in den Zoo. Parkplätze regelrechte Mangelware. Karawanen bepackt mit Kinderwagen, Roller, Dreirad und Buggys zogen mit uns auf den Eingang zu. Familien mit Kleinkindern bildeten die Hauptgruppe der Besucher. Das war zu erwarten. 
„Justin, Leon kommt schnell hierher. Nein, nicht mit den Füßen auf die Bank. Du darfst die Tiere nicht anschreien. Kommt sofort hierher. Aber dalli!“ „Marie, willst Du eine Brezel? Eine Waffel? Tee oder Kakao? Einen Apfel?“ Marie schrie stattdessen in den allerhöchsten Tönen, während die ambitionierten Eltern wohl den Speiseplan der möglichen kulinarischen Beruhigungsmittel weiter aufführten. Eine schlanke, gut gekleidete, wohlfrisierte Noch-jung-aber-eigentlich-schon-älter-Mutti zog ihre ebenso herausgeputzte kleine Tochter im Marschierschritt durch den Zoo. Die kleinen Kinderbeinchen konnten das Tempo nur joggend halten. Dafür waren die hübschen Schühchen jedoch nicht gemacht. Das Mädchen jammerte, weil es nun doch an seiner Leistungsgrenze angelangt war und darüber hinaus auch nichts von den vielen Tieren mitbekam, wurde jedoch von der sportlichen, aber genervten Mutter weitergezogen. Die Kinderwägen waren vollgeladen mit Equipment – was eher einer Vertreibung aus einem Kriegsgebiet als einem Zoobesuch glich – so dass für die Kinder häufig kein Platz mehr im Wagen blieb. Liebevolle Väter setzten ihren Nachwuchs auf die Schultern. Macht auch Sinn, wenn der Andrang an jedem Gehege so hoch ist, dass Kinder kaum etwas sehen können. Sinn würde auch machen, dass der Vater mit dem Lebendgepäck auf den Schultern in die Knie ginge, während er einen Durchgang passiert. Dann würde das Kind auch nicht so schreien. Befehle wurden im Sekundentakt an die Kinder weitergegeben: Komm her! Bleib stehen! Sei ruhig! Schau mal her! Diese wurden kombiniert mit Lehrvorträgen zu den Tieren, ihren Herkunftsländern und Verhaltensweisen, die abgelesen von den Infotafeln an die Kinder weitergegeben wurden. Selbst die Affen wandten sich genervt von dem Stakkato ab.
Die Spielplätze waren voll mit tobenden und schreienden Kindern, wo sie sich zum ersten Mal frei unter Gleichaltrigen bewegen durften. Viel zu selten scheinen sie Kind sein zu dürfen. Viel zu selten ist ihre Freizeit eine freie Zeit ohne Förderung, Arrangements und Pädagogik.
Wen wundert, wohin die Gesellschaft steuert?
 

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