Kosmetik beim Bio-Siegel

Nur Natur, keine Chemie soll in ihren Kosmetikprodukten stecken – das wünschen sich viele Verbraucher und geben dafür auch gerne mehr Geld aus. Für die Kosmetikindustrie ein Milliarden-Geschäft. Doch viele Produkte halten bei genauerem Hinschauen nicht annähernd, was die Werbung verspricht.

800 Millionen Euro setzte die Naturkosmetikbranche im vergangenen Jahr um. Die Verbraucher wollen zunehmend Gesundes auf die Haut - echte Naturkosmetik, ganz ohne Chemie. Doch nicht überall, wo Natur draufsteht, ist auch welche drin. Der Begriff Naturkosmetik ist rechtlich nicht geschützt. Für den Verbraucher ist sie von konventioneller Kosmetik nicht immer zu unterscheiden. 
Greenwashing nennt man es, wenn Firmen auf der grünen Welle mit schwimmen, sie aber tatsächlich nur der Verpackungen einen grünen Touch geben – mit Bezeichnungen wie natürlich, öko oder kontrolliert. Der Dumme ist der Kunde, der nicht selten überteuerte konventionelle Produkte erwirbt. Dabei ist es für viele Verbraucher wichtig, echte Naturkosmetik sofort zu erkennen, weil sie auf Mineralöle, künstlichen Konservierungs– und Duftstoffe verzichten wollen; meist weil sie gesundheitlichen Bedenken haben, erklärt der Dermatologe Dr. Jörg Keller: „Einige Parabene stehen in Verdacht, Krebs auszulösen und zudem auf den Hormonhaushalt einzuwirken. Außerdem können sie Allergien auslösen. Sie sind in fast allen konventionellen Kosmetika enthalten. Wir Dermatologen denken, dass man auch ohne diese Stoffe auskommen kann und darauf verzichten sollte."

In den Kosmetikabteilungen tummelt sich eine Fülle von Siegeln. Der Phantasie der Stempel und Aufdrücke sind keine Grenzen gesetzt. Denn: Siegel suggerieren Qualität. Und dafür zahlen Kunden gerne mehr. Die Firmen kreieren nicht selten ihr eigenes Label oder geben eines in Auftrag. Die Aussagen der Label und Siegel klingen scheinbar gut. Der Wert für den Verbraucher ist aber oft gleich null. Viele Siegel sagen nichts aus, dienen nur dazu, den Verbraucher zum Kauf zu überreden. Wie zum Beispiel das Siegel Dermatologisch getestet. Man sollte davon ausgehen, dass eine Creme dermatologisch getestet ist, bevor sie auf den Markt kommt. Doch mit welchem Ergebnis? 
 

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