Kommentar - Genetic engineering

Nicht nur das Wort selbst, sondern auch was dahinter steht, macht vielen Menschen Angst

Genetic engineering wird in die Deutsche Sprache mit Genmanipulation übersetzt. Da im Deutschen der Begriff Manipulation eine eindeutig negative Färbung besitzt, ist es sehr einfach, den gefühlten Stellenwert der Forschung im Bereich Gentechnik zu erfassen. Die Gentechnik als Eingriff in Gottes Gesamtwerk wird von vielen Menschen als bedenklich bis sträflich angesehen.

Misstrauisch werden Forscher betrachtet, die im Sinne des Fortschritts der Evolution auf die Sprünge helfen wollen. Ihre Bedenken sind, dass unkontrollierbare Ergebnisse – einmal auf den Weg gebracht – nicht mehr ausgemerzt werden können, da sich genveränderte Pflanzen vermehren und diese auch auf Mensch und Tier Auswirkungen haben können, die niemand vorhersehen kann. Ein verständliches und gutes Argument. Der Mensch jedoch hat durch Züchtungen von jeher Einfluss auf die Evolution genommen – und nicht nur durch Beschleunigung des langwierigen Ausleseprozesses. Und: Den Menschen fehlt die Zeit, 300 Jahre auf klimaangepasste Nutzpflanzen zu warten, um den Hunger in großen Teilen der Welt stillen zu können. Es fehlt auch die Zeit, auf alternative Energiequellen und nachwachsende Ressourcen zu warten. Eine genveränderte Kartoffel, die nicht als Speisekartoffel sondern für die effektivere und ergiebigere Herstellung von Klebstoff verwendet werden soll, macht Sinn.

Eine emotionale Diskussion kann nicht zu einer zielorientierten Lösung führen

Schädlingsresistente Maissorten werden Schädlingen schaden. Toxische Spritzmittel auch. Im Gegensatz dazu haben sie jedoch einen weitaus größeren Streubereich und finden sich sowohl in Böden als auch in angrenzenden Gärten, in der Umluft und im Zweifel in den Lungen wieder. Was ist besser? Wer will das letztlich entscheiden? Wenig zielführend ist die Art der Diskussion, die vielerorts geführt wird. Risiken, Gefahren und Nutzen emotional gegeneinander abwägen zu wollen, kann nicht wirklich zu einer wohlüberlegten Entscheidungsfindung beitragen. Bauchgefühle, die hörbar vorgetragen werden, Schlagzeilen mit Halbwahrheiten, Angst vor Profitgier und unverantwortlichem Handeln – verständlich, weil in der Vergangenheit durchaus Realität – setzen sich gegen eine schweigende Forschungselite. Und wenn diese nicht schweigt, sondern sich äußert, bleibt sie für den Großteil der Menschheit unverständlich. Auch für die Übersetzer der Gesellschaft: Den Journalisten.

Nur Hand in Hand kann dieser Glaubenskrieg sinnvoll enden

Ein Pressegespräch mit Forschenden ist ungleich schwerer als mit Aktivisten zu verstehen und wird sich sicherlich auch in dieser Form in der Presse wiederfinden. Ebenfalls unverständlich, auch wenn sie gut übersetzt sein sollten, sind wissenschaftliche Belege und Argumente, die auf fundierten Annahmen basieren, die vielleicht sogar mit einer großen Wahrscheinlichkeit zukünftig realisiert sein könnten. Und doch sind es nur Annahmen. Niemand, weder Befürworter noch Gegner, sind in der Lage, in die Zukunft zu blicken. Gemeinsam müssen Lösungen gefunden werden. Diese bestehen nicht darin, alles zu erlauben oder alle Forschung zu untersagen. Die Chance, Lösungen zu finden, liegt im gemeinschaftlichen Handeln unter Einbeziehung aller Argumente. Die Risiken liegen im Glaubenskrieg. Wie in jeder kontrovers geführten Diskussion.

Zum Thema:

Bundesforschungsministerin Annette Schavan sprach zur Genforschung anlässlich ihres Besuchs in Neustadt  mit Oberbürgermeister Hans Georg Löffler und  Norbert Schindler, Präsident des Bauernverbandes und Bundestagsabgeordneter.

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