Klimawandel direkt vor der Haustür

Die Jahresdurchschnittstemperatur erhöht sich. Die Polkappen und die Gletscher schmelzen stark ab, der Meeresspiegel steigt. Der Klimawandel wurde in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der drängendsten Probleme der Menschheit. Auch hier in Rheinland-Pfalz, direkt vor unserer Haustür, sind die Veränderungen des Klimas deutlich spürbar.

Die Sommer werden heißer und länger und bescheren uns immer neue Wetterrekorde, während die Winter milder werden und von starken Niederschlägen geprägt sind. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen. Durch die hohen Temperaturen im Sommer wird die Wasserqualität von Gewässern wie Badeseen zunehmend gefährdet. Die Zahl an Zecken und anderen Krankheitsüberträgern steigt. Die Tier- und Pflanzenwelt verändert sich. Ziemlich hart trifft es in dieser Hinsicht auch den Pfälzer Riesling. Da die Vegetationsperiode früher im Jahr einsetzt, wandeln sich die Bedingungen für das Pflanzenwachstum, also auch für den Weinbau. Für die wärmeliebenden Rotweinsorten sind die Veränderungen sehr förderlich. Für die fruchtbetonten Weißweine hingegen verschlechtern sich die Bedingungen, sodass manche Rebsorten sogar ganz in den Hintergrund treten könnten. Der Gedanke daran, dass aufgrund des Klimawandels in Zukunft vermehrt südländische Rebsorten und kaum noch Riesling angebaut werden, wird wohl einigen Pfälzern Kopfschmerzen bereiten.

Aber nicht nur unser Wein leidet unter den klimatischen Veränderungen. Die drohende Wasserknappheit kann besonders in den heißen und trockenen Sommern in der Landwirtschaft Hitze-und Trockenschäden verursachen. Die Frage nach einer sinnvollen Lösung drängt. Denn gerade bei den flachen Brunnen, die zur Bewässerung der Felder notwendig sind, wird es einige Engpässe durch den gesunkenen Wasserpegel geben.

Im Winter hingegen muss mit Starkniederschlägen, die große Schäden anrichten können, gekämpft werden. Durch heftige Regenfälle steigen in dieser Jahreszeit die Grundwasserstände. Eine Überlastung der kommunalen Kanalnetze droht. Auch in Sachen Hochwasserschutz besteht Handlungsbedarf, da der Rhein stark von den Klimaveränderungen betroffen ist. Im Sommer wird der Rhein weniger Wasser führen, was eine drastische Veränderung für die Lebewesen im Fluss bedeutet. Im Spätwinter und im Frühjahr erhält der Rhein zu viel des Guten und die starken Niederschläge gefährden die Deiche. Überschwemmungen sind die Folge. Um wirksam gegen all diese Probleme vorgehen zu können, bedarf es einer Vertiefung der Erkenntnisse zum Klimawandel, die letztlich in die wasserwirtschaftliche Praxis umgesetzt werden müssen. Dafür ist hier in der Region die Wasserwirtschaftsverwaltung zuständig.

Diese hat in den letzten Jahren eine Vielzahl konkreter Maßnahmen ausgearbeitet, damit die Pfalz gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet ist. Großräumige Verbundsysteme werden geschaffen, um die Gewässerbewirtschaftung in der Vorderpfalz zu erleichtern und die Trinkwasserversorgung zu sichern. Die so genannte Aktion Blau soll mit der Renaturierung und Revitalisierung von Flüssen und Bächen zum dezentralen Hochwasserrückhalt auf der Fläche beitragen. Desweiteren wird das rheinland-pfälzische Hochwasserschutzkonzept konsequent umgesetzt, was neben technischen Schutzmaßnahmen am Oberrhein auch Reserveräumen für Extremhochwasser beinhaltet. Rheinland-Pfalz hat seit 1991 bereits eine halbe Milliarde Euro in den Hochwasserschutz investiert.

Das Konzept beruht auf drei Säulen: Förderung des natürlichen Wasserrückhalts in der Fläche, technischer Hochwasserschutz und weitergehende Hochwasservorsorge. Beispielhaft für andere Flussgebiete ist das Deichhöhenabkommen am Oberrhein, in dem links- und rechtsseitig des Rheins gleichwertige Deichhöhen vereinbart sind.

Der Klimawandel direkt vor unserer Haustür ist trotz aller Bemühungen nicht mehr aufzuhalten. Es liegt nun an den Pfälzern, sich an die Veränderungen anzupassen und durch ihren Beitrag zum Klimaschutz den unvermeidlichen Wandel hinauszuzögern.

Nadine Baumann, Fotos: SGD Süd