Kinder- und Jugendhilfebericht

Der erste Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz lag Ende vergangenen Jahres vor. Er enthält auf 583-Seiten Daten und Erkenntnissen zu den Lebensbedingungen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Gemeinsam mit dem Autor Professor Christian Schrapper von der Universität Koblenz-Landau stellten die Jugendämter der Landkreise Bad Dürkheim, Germersheim, Südliche Weinstraße und den Städten Landau und Neustadt das Zahlenwerk vor und regionalisierten die Vorder- und Südpfalz.

„Die allermeisten Kinder werden hier gesund und gut groß“, fasst Schrapper zusammen. Dies sei vor allem der Verdienst der Eltern. Die Eltern können in der Region auf zahlreiche Angebote, wie beispielsweise Kindergärten, Schulen, Jugendeinrichtungen zurückgreifen. Neben den öffentlichen Einrichtungen gibt es auch genügend private Initiativen, Verbände und Vereine. Allerdings müssen nach wie vor viele Kinder in sozial schwierigen Umfeldern aufwachsen und leben. „Der Kinder- und Jugendhilfebericht erkennt, dass sich die Chancen der Kinder in belasteten Verhältnissen landesweit sehr unterschiedlich verteilen“, so Schrapper. In diesem Zusammenhang erstellten die Wissenschaftler den so genannten „Child Well-being Index“, der das Wohlergehen und das Wohlbefinden von Kindern nach internationalen Maßstäben abbildet. Hierzu werden die objektiven Voraussetzungen für ein gutes Aufwachsen junger Menschen sowie das subjektive Bewerten individueller Lebenschancen ermittelt.

„Der Kinder- und Jugendhilfebericht ist die systematische Aufarbeitung der unterschiedlichen Lebenssituationen in unseren Landkreisen und Städten. Er soll nicht als Ranking verstanden werden, sondern der Politik und der Verwaltung eine Hilfestellung sein“, erklärte der Neustadt Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer, der als politischer Vertreter alle Regionen vertrat.

Der Jugendamtsleiter Peter Lerch, hob hervor, dass im Bereich der Südlichen Weinstraße die soziostrukturellen Rahmenbedingungen überdurchschnittlich gut sind. So liegt die Jugendarbeitslosigkeit mit 4,9 Prozent an der Südlichen Weinstraße deutlich unter dem Landeswert von 6,8 Prozent liegt. Auch die minderjährigen Sozialgeldempfänger mit 7,5 Prozent sind wesentlich unter dem Landesdurchschnitt (13,7 Prozent).

Das kinder- und familienpolitische Handeln des Landkreises Südliche Weinstraße wird insbesondere bei den Kindertagesstätten mit überdurchschnittlichen Werten bestätigt: Bereits 96,1 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen und 20 Prozent der unter Dreijährigen besuchen eine Kindertagesstätte. Damit liegt der Kreis deutlich über dem Landesdurchschnitt von 16,1 Prozent. Dies ist aber auch erforderlich, nimmt doch die Südliche Weinstraße mit 60,8 Prozent an Müttern, die vor der Geburt ihres Kindes erwerbstätig sind, einen Spitzenplatz ein.

Auch die Devise ambulante vor stationäre Hilfe zur Erziehung hat sich ausgezahlt. Mit 15,1 Hilfen pro 1.000 junge Menschen zeigt sich eine erhebliche Abweichung zum Land (25,1). Dies spiegelt sich auch in den Bruttoausgaben der Hilfen zur Erziehung wider. Während landesweit durchschnittlich 328 Euro pro Person unter 21 Jahren an Hilfen zur Erziehung aufgewendet werden müssen, beschränkt sich dies im Landkreis Südliche Weinstraße auf 188 Euro.

Der nach Landkreisen und Städten differenzierte Kinder- und Jugendbericht wurde erstmals vorgelegt. Er geht zurück auf einen Beschluss des Landtags vom März 2007, wonach ein solcher Bericht künftig einmal pro Legislaturperiode von externen und unabhängigen Fachleuten erstellt werden soll.

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