Hüte – Moderne Klassiker

Ein in Vergessenheit geratenes Must-Have-Accessoire

Was bei den Royals eine Selbstverständlichkeit darstellt - man denke nur an die Hochzeit von Prinz William und Kate - ist im Alltäglichen etwas, vor dem man zurückschreckt und sich fragt: Wer trägt denn heutzutage noch Hut?

Hüte sind das Must-have-Accessoire 2011 und erleben gerade, nachdem sie fast schon totgeglaubt waren, ein erstaunliches Comeback. Dabei lässt sich die Geschichte des Hutes als Kopfbedeckung bis weit in die Antike zurückverfolgen.

Bei den Griechen waren es in erster Linie Handwerksleute, die Hüte trugen. Bei den Römern erhielten Sklaven, die man wieder frei ließ, einen Hut als Symbol ihrer Freiheit. Gesellschaftsfähig für die restliche männliche Bevölkerung wurde der Hut allerdings erst nach dem Tod von Kaiser Nero im Jahre 68 nach Christus. Hüte für Frauen waren zu dieser Zeit völlig unbekannt. Die Damenwelt schmückte ihre Häupter mit Tüchern, Haarspangen oder Reifen.

Die Hutkultur in Deutschland

In Deutschland findet man die ersten Hutspuren im zehnten Jahrhundert. Zu dieser Zeit trug man bereits in Sachsen bei der Feldarbeit die noch heute bekannten Strohhüte. Gesellschaftsfähig wurde der Hut jedoch erst im 12. bis 13. Jahrhundert und galt fortan als Standeszeichen bei der männlichen Bevölkerung. Um 1360 wird zum ersten Mal in Nürnberg das Hutmacherhandwerk erwähnt. Besonders wertvolle Hüte waren zu dieser Zeit Pfauenfederhüte, mit Biberhaar belegte Filzhüte und Baretts aus Seide. Einfache Baretts aus Stoff oder Wolle sowie Strohhüte waren ein Zeichen für die Menschen einfacher Herkunft. Frauen in Deutschland trugen erst ab dem 14. Jahrhundert Hüte. Besonders der Hennin, ein zuckerhutförmiger mit Schleiern behängter Hut von bis zu einem Meter Höhe war zu jener Zeit deutliches Erkennungsmerkmal für eine reiche Bürgerin oder Adelige. Bis ins 16. Jahrhundert hinein dominierten solche kegelförmigen Hüte mit zusätzlicher breiter Krempe auch die Männerhutmode. Der spätere Zylinder hat in dieser Hutform seinen Ursprung. Vom 18. Jahrhundert an war der Hut nicht nur Zeichen der gesellschaftlichen Herkunft, sondern auch Symbol für die politische Gesinnung seines Trägers.

Die Entwicklung moderner Klassiker

Graue Filzhüte, so genannte Heckerhüte, waren in Skandinavien Zeichen für eine demokratische Gesinnung, deren Träger nach 1849 politisch verfolgt wurden. Auch die Baskenmütze symbolisierte eine antimonarchistische Einstellung und war daher ebenfalls alles andere als gern gesehen. Strohhüte und Ballonmützen waren beim einfachen Volk dagegen als neutrale Kopfbedeckungen sehr beliebt. Beim Adel und in der hohen Gesellschaft entstanden ab 1800 Hüte, die auch heute noch populär sind, zum Beispiel der Zylinder, die Melone und der Homburger.

Hut, Pomp und Gloria

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen bei den Damen große, runde Hüte mit breiter Krempe in Mode, die reichlich mit Federn von Marabu, Paradiesvogel und Strauß sowie mit Bändern und Blüten dekoriert waren. Dabei galt erneut: Je schicker und pompöser der Hut, desto höher stand die Dame in der Gesellschaft, desto einflussreicher und wohlhabender war auch der spendable Gatte. Die Frau war gut behütet, der Mann gut betucht!

Vom Muss zum Schluss des Huttrends

Ab den zwanziger Jahren wurden die Hüte dann deutlich kleiner und auf dem Kopfbedeckungsmarkt hielten die ersten Mützen Einzug. Als Frau galt man jedoch bis in die dreißiger Jahre hinein als schlecht angezogen, wenn man keine Kopfbedeckung trug. Erst zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges war eine Frau eine Exotin, wenn sie sich etwas anderes als Kopftücher aufsetzte.

Mit zunehmendem Aufkommen des Autos und dem Trend der hochtoupierten Damenfrisuren verlor der Hut immer mehr seine Bedeutung als modisches Accessoire, bis er Mitte der 60er Jahre vollends von den Köpfen verschwand. Mützen, wie die Baseballcap oder die Beanie waren auf dem Vormarsch und verdrängten die klassischen Hutformen für Jahrzehnte von der Bildfläche.

Finaler Einzug in die etablierte Modewelt

Erst mit Beginn des neuen Jahrtausends begann man langsam, den Hut als Kopfbedeckung wieder neu zu entdecken, vor allem als Ausdruck von Lebensgefühl und Individualität. Heute tragen immer mehr Leute wieder Trilby, Panama Hut oder auch Flat Cap, um nur einige Formen zu nennen. Stars wie Johnny Depp, Gwen Stefani, Justin Timberlake oder Kate Hudson sind bekennende Hutträger - Roger Cicero oder Udo Lindenberg machten den Hut zu ihrem Markenzeichen.

Ute Marz