Glück Ab Gut Land

Der Traum vom Fliegen faszinierte die Menschheit schon immer. Seit die Brüder Montgolfier die fliegende Kugel entwarfen und die ersten Versuchskaninchen – in diesem Fall ein Hammel, eine Ente und ein Hahn – 1783 vor den Augen König Ludwigs XVI. nach dem Aufstieg wieder unbeschadet landeten, erfüllte sich für immer mehr Menschen der Traum, mit einem Heißluftballon durch die Lüfte zu schweben. In den Anfängen der Ballonfahrt fürchteten die Menschen, dass Lebewesen beim Aufstieg in luftige Höhen ersticken oder gar platzen könnten. Sobald dies durch Hammel, Ente und Hahn widerlegt war, begann die Entwicklung der Heißluftballonfahrt zu einer Sportart und einem freizeitlichen Vergnügen. 
Im Rahmen der zweiten Damen Europameisterschaft im Ballonfahren in Frankenthal durften neben den Ballonpilotinnen auch interessierte Besucher in den Korb steigen. Dabei lernte der Laie nicht nur den Sport an sich, sondern auch die verschiedenen Traditionen und Bräuche rund um das Ballonfahren kennen. Die wichtigste Lektion musste gleich zu Beginn verinnerlicht werden: Der Heißluftballon fliegt nicht, er fährt! In Ballonfahrerkreisen erzählt man sich, dass schon die ersten Ballonpiloten vom Ballonfahren sprachen, was sich von der Schifffahrt ableitete. Die Ballonfahrer setzten den Himmel mit dem Meer gleich und da Schiffe in Flüssen, auf Seen und Ozeanen fuhren, taten dies auch Ballone im Himmel. Sobald die korrekte Bezeichnung der Fortbewegung geklärt war, ging es an den Aufbau des Ballons. An dieser Stelle stolperte der Laie gleich über die nächste merkwürdige Begrifflichkeit, denn beim Aufbau ist der Ballonpilot auf die Hilfe der Erdferkel angewiesen. Bei den Erdferkeln handelt es sich keinesfalls um unfreiwillige Versuchskaninchen wie den Hammel, die Ente und den Hahn. Erdferkel ist die Bezeichnung für die Helfer des Ballonpiloten, die beim Auf- und Abbau tatkräftig mit anpacken und den Ballon mit dem Auto verfolgen, solange er in der Luft ist, und dann am Landeplatz direkt bereitstehen. Nachdem der Ballon mit genügend Heißluft gefüllt war und die Passagiere in den Korb geklettert waren, hieß es Glück Ab Gut Land. Mit diesem Grußwort verabschiedeten die Erdferkel den Ballon und machten sich zur Verfolgung bereit, während die Ballonfahrer den traumhaften Ausblick über der Pfalz genossen.
Den krönenden Abschluss der ersten Ballonfahrt während der zweiten Damen Europameisterschaft in Frankenthal bildete die Taufe. Die Gründe dieser Tradition liegen in der Anfangszeit des Ballonfahrens und gehen auf König Ludwigs XVI. zurück. Dieser erließ ein Gesetz, nach dem nur Adelige in den Genuss einer Ballonfahrt kommen dürfen. Für die normale Bevölkerung war das luxuriöse Vergnügen verboten. Glücklicherweise ist dies heute nicht mehr der Fall, doch basierend auf diesem Gesetz entstand der Brauch, Ballonfahrer zu taufen und somit in den Adelsstand zu erheben. Bei der feierlichen Zeremonie knien die Ballonfahrer vor dem Piloten auf dem Boden und lassen sich von ihm eine Haarsträhne anzünden. Standesgemäß wird diese dann mit Sekt gelöscht. Anschließend überreicht der Pilot die Urkunden und verkündet den jeweiligen individuellen Adelstitel des neuen Mitgliedes der Ballonfahrerzunft. Diesen sollten sich die Ballonfahrerneulinge unbedingt merken. Wird man von anderen Ballonfahrern oder –piloten aufgefordert, seinen Adelstitel zu nennen und erinnert sich nicht mehr daran, muss man der Ballonfahrerschaft eine Flasche Sekt spendieren.

Nadine Baumann

Magazin