Gimmeldingen feiert

Jedes Jahr ist es erst dann wirklich Frühling, wenn in Gimmeldingen das Mandelblütenfest ausgerufen wird. Es ist das bundesweit erste Weinfest im Jahr. Mit seinen rund fünftausend Mandelbäumen, die in unterschiedlichen Sorten eine Vielzahl von Rosaschattierungen in und um Gimmeldingen legen, ist das Mandelblütenfest nach den langen Wintermonaten ein wahres Spektakel für das Auge – und nicht nur das. Tausende Besucher aus ganz Deutschland zieht das kleine Weindorf jedes Jahr an den Haardtrand.

Einer fröhlichen Prozession gleich wandern sie von verschiedenen Seiten nach Gimmeldingen. Im Jahr 1934, also vor 75 Jahren, wurde das erste Mandelblütenfest gefeiert. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein des kleinen Weindorfs reagierte so auf die schleppende Nachfrage nach Gimmeldingens Produkten und lenkte somit geschickt den Besucherstrom den Berg hinauf. Sie schafften es, den kleinen Weinort nachhaltig deutschlandweit bekannt zu machen. Der Termin des Festes wird jedes
Jahr sehr kurzfristig gelegt, da die Mandelblüte nun einmal wetterabhängig ist. Und selbst dann spielt das Wetter nicht immer mit. In manchen Jahren wird es zum Fest noch einmal empfindlich kalt und nass. Aber häufiger noch erstrahlen die rosa Blüten in der warmen Frühlingssonne und erhellen die Stimmung der winterblassen Blütenfestbesucher.

Zweierlei Grund zum Feiern

In diesem Jahr hat das Weindorf Gimmeldingen gleich zwei gute Gründe zum Feiern. Neben dem 75 Jahre alten Mandelblütenfest, das an jugendlicher Frische kaum zu überbieten ist, darf der kleine Weinort sein 900-jähriges Jubiläum feiern. Wie Alfred Sitzmann und Reinhard Kermann in dem Buch Gimmeldingen – Leben im Weindorf beschreiben, fand Gimmeldingen im Jahre 1109 erstmalige urkundliche Erwähnung. Denn in diesem Jahr vermachte der Ritter Konrad von Merlenheim seine weltlichen Güter dem Abt Bruno von Hirsau. Sein Bruder focht dies an. So wurden Männer gesucht, die die Rechtmäßigkeit der Übertragung bezeugten. Einer jener Zeugen war Adelbertus de Gomeltingen, der mit großer Wahrscheinlichkeit Burgherr der Gimmeldinger Turmburg auf dem Kieselberg war, die etwa um 1100 errichtet wurde. Damals lebten die Menschen schon hauptsächlich vom Weinbau. In der ausführlichen Chronik in dem oben erwähnten Buch wird die 1453 bezeugte Wingerleutbruderschaft erwähnt, eine religiös-soziale Vereinigung von Weinbauern. Gimmeldingen behauptete sich in den Wirren des Krieges und der unterschiedlichen politischen Zugehörigkeit und überlebte die Franzosen wie die Bayern. 1750 wurde das arme Nachbardorf Lobloch mit Gimmeldingen vereinigt – gegen den Willen der Gimmeldinger. 1969 wurde Gimmeldingen Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße und verlor somit seine Eigenständigkeit – jedoch nicht seinen eigenen Charme.
 

Kleines Dörfchen mit großer Tradition

Gimmeldingen ist eines jener typischen Weindörfer an der Weinstraße, das sich über eine Vielzahl von schönen alten und guterhaltenen Gebäuden freuen darf. Darunter sind auch so bedeutsame und interessante Ensembles wie das Hildebrandseck. Erste urkundliche Erwähnung fand das Schlösschen im Jahr 1524 durch seinen Besitzer Marx Hiltprant von Hiltprantseck. Das Anwesen war ein Adelssitz, ein landesherrliches Gut, wurde Nationalbesitz, bis es als Weingut in Privatbesitz gelang. Nach einigen Jahren des Leerstandes fand es im Jahr 2004 neue Besitzer.

Das typische Ortsbild Gimmeldingens mit den engen und winkligen Gassen, den Weingütern im Zentrum und der gehobenen und weit über die Grenzen des Weindorfs bekannten Gastronomie, ist nicht nur für Touristen attraktiv. Das Dorfleben ist rege und aktiv und setzt auf den traditionellen Gemeinsinn, wie eine Reihe von ehrenamtlichen Aktivitäten, und zahlreiche Vereine beweisen. Der Charakter von Gimmeldingen und seinen Bewohnern ist weitab von einer Schlafstätte am Fuße einer Metropolregion.