Geheimnisvolle Krankheit

Spröde, eingerollte, vergilbte Blätter, abgestorbene Triebe, verwelkte Trauben: Eine folgenschwere Krankheit breitet sich immer mehr im Heiligtum der Pfälzer aus. Gerade in Weinbergen, die an Böschungen und Grünstreifen angrenzen, sind immer mehr Reben von der Schwarzholzkrankheit betroffen, eine Krankheit, die bei vielen Winzern immer noch unbekannt ist.

Bei der Schwarzholzkrankheit handelt es sich um eine Vergilbungskrankheit der Rebe. Hervorgerufen wird sie durch verschiedene Arten von zellwandlosen Bakterien, den Phytoplasmen, die jeweils an unterschiedlichen Wirtspflanzen zu finden sind. Diese Zellparasiten können sich nicht aktiv verbreiten, sondern sind auf so genannte Vektoren (Überträger) angewiesen. Die Bakterien der Schwarzholzkrankheit werden von den wärmeliebenden Winden-Glasflügelzikaden in deren Flugzeit von Anfang Juni bis Ende August auf die Reben übertragen. Die Wirtspflanzen dieser Zikadenart sind in der Pfalz überwiegend die Große Brennnessel und vereinzelt die Ackerwinde. Die Tiere nehmen an der Wirtspflanze den Erreger auf und bleiben dann zeitlebens infektiös. Der Erreger vermehrt sich in der Zikade und wird bei der Nahrungsaufnahme auf andere Pflanzen übertragen. Obwohl die Rebe aufgrund der Nahrungspräferenzen nur gelegentlich von den Winden-Glasflügelzikaden angestochen und infiziert wird, ist die Schwarzholzkrankheit seit circa fünf Jahren in der Pfalz auf dem Vormarsch. In besonders stark befallenen Gebieten können die Ertragsverluste bis zu 50 Prozent betragen. „Zu den Hot-Spots in der Pfalz zählen Landau und Neustadt. Dort liegt teilweise ein starkes Auftreten mit Befallsstärken von bis zu 50 Prozent in Randzeilen und bis zu 28 Prozent in den ersten vier bis fünf Reihen der Weinberge vor“, erklärt Dr. Ulrike Ipach, Mitarbeiterin der Abteilung Phytomedizin im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz. Aber auch schon bei geringerer Befallsstärke können durch bittere Trauben Fehltöne im Wein entstehen. Deshalb gilt es, die Schwarzholzkrankheit effektiv zu bekämpfen. Dafür müssen die Symptome richtig erkannt und Verwechslungen mit anderen Rebkrankheiten ausgeschlossen werden. Zu den auffälligsten Symptomen zählen die Vergilbung und das Einrollen der Blätter. Bei weißen Weinsorten verfärben sich die Blattadern zunächst goldgelb, später bilden sich dann cremefarbene Flecke. Rote Sorten weisen eine rote Färbung der Blätter sowie Flecken, an denen das Gewebe vollständig abgestorben ist, auf. Die Trauben vertrocknen, verwelken und fallen schließlich ab. Triebe sind oft rötlich oder bläulich überlaufen und zeigen eine unregelmäßige oder gar keine Holzreife. Diese grün gebliebenen Triebe sterben dann im Winter ab und verfärben sich schwarz, was der Krankheit zu ihrem Namen verholfen hat. Die ersten Symptome können bereits Mitte Juli auftreten, deutliche Symptome sind spätestens im August zu erkennen. Die Schwarzholzkrankheit kann sich nicht von Rebe zu Rebe ausbreiten, aber es gibt auch kein Mittel, um eine infizierte Rebe wieder zu heilen. Um dem Befall vorzubeugen, hilft nur die Bekämpfung der Wirtspflanzen und das sofortige Entfernen symptomtragender Triebe. Denn kranke Stöcke können unter Umständen wieder genesen, wenn die Bögen mit kranken Trieben vollständig entfernt werden. Darüber hinaus sollten die Wirtspflanzen mechanisch oder chemisch aus den Weinbergen beseitigt werden. Wichtig ist hierbei, auch die Wurzeln der Wirtspflanzen, also der Großen Brennnessel und der Ackerwinde, zu entfernen, da die Larven der Zikaden an den Wurzeln überwintern und bei nur oberflächlicher Entfernung der Pflanzen im nächsten Sommer trotzdem schlüpfen und in der Flugphase Reben infizieren können. Während der Flugphase der Zikaden sollte aber keine Bekämpfung der Wirtspflanzen stattfinden, da ein etwaiges Abmähen oder Abmulchen den Infektionsdruck auf die angrenzenden Reben verstärkt. Wird die Große Brennnessel als Hauptwirtspflanze der Zikaden entfernt, stechen die Tiere auf Nahrungssuche viel mehr Reben an und es kommt häufiger zu Infektionen. „Die Vorstellung, die Schwarzholzkrankheit ganz ausrotten zu können, ist illusorisch“, sagt Dr. Ipach. „Es gibt nur eine Möglichkeit, die Ausbreitung der Krankheit in den Griff zu bekommen. Die Krankheit muss in das Bewusstsein der Winzer gerufen werden. Nur wenn diese auch ausreichend darüber informiert sind, kann man gemeinsam dagegen vorgehen“, so die Bio-
login.

Nadine Baumann

Info:

Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum
Rheinpfalz
Breitenweg 71
67435 Neustadt/ Mußbach
06321/671-0
www.dlr-rheinpfalz.rlp.de 

Magazin