Gedankenlosigkeit

Unbeweglich lag die Mittagshitze über der kleinen Insel. Nirgendwo krähte ein Hahn. Die Stille fernab des Trubels an der Küste schaffte den elitären Kontrast, den die Menschen, die es sich leisten konnten, so schätzten.

Ein glänzendes Auto drängte die Auffahrt zu der sonnengeschützten Terrasse mit der wunderbaren Aussicht hinauf. Dort oben durfte sich die Phantasie einen Ort zum Hineinträumen wählen. Kühle Getränke wurden höflich gereicht. Nachdem die Schönheit des Ortes je nach Arroganz mehr oder weniger ausreichend gewürdigt worden war, begannen die einen zu plaudern, die anderen zu schweigen.

Der Tisch der Plauderer füllte sich im Laufe des Mittags mit dem unaussprechlichen Reichtum sinnloser Distanziertheit. Small Talk. Von Menschen wie Paul und Gitte und Biggi, Joe und Uschi. Menschen, die in ihrem Leben mittels eines Talents zu Geld kamen. Dieses Talent ist nicht Liebe zur Gabe sondern Schmuck. Wie ein Ornament an die Brust geheftet. Gut sichtbar. Eine Schauspielerin betritt die Bühne und fordert die Aufmerksamkeit stumm lächelnd. Das Publikum huldigt ihr und drängt auf gleiche Bühne. Sonnt sich im gleißenden Licht. Bedacht auf Beachtung, doch das Publikum - das fehlt nun. Stehen doch alle im Scheinwerfer rund um die alternde und längst vergessene Diva. Ungeduldig suchen die Begleitenden nach Gehör für das eigene geistentleerte Geplapper. Niemand hört niemandem zu. Worte ohne Zusammenhang, ohne Widerhall, Schatten gleich.

Der Nachmittag fließt dahin. Für eine kurze Weile ist der süße Duft herbei gerauchter Nonchalance zu vernehmen. Flüchtig wie der Augenblick. Bemühtes Gekicher nach künstlicher Entspannung. Die charmante fast jung konservierte Mimin, auf die netten, patenten Frauenrollen gebucht, spielt die Rolle ihres Lebens. Doch leider ist kein Script zur Hand. Eigene Texte sinnreich sind schwer zu improvisieren.

Plötzlich für einen Moment erscheint ein Mensch - unbekannt der elitären Menschenkomposition - im Rampenlicht des angestrengt entspannten Nachmittags. Stiehlt unbeabsichtigt die Show für wenige Sekunden. Die Mine der Mimin entleert. Weder Feind noch Freund. Leer.

Erschreckend.

Nur ein Gedanke: Raus aus der stillen Welt des falschen elitären Gehabes. Zurück zu den Denkenden.

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