Für andere

Ehrenamt bleibt eine Sache der Ehre

Laut einer aktuellen Studie des Allensbach Instituts sind in Deutschland rund 12 Millionen Menschen ehrenamtlich aktiv und das meist über einen längerfristigen Zeitraum. Dabei ist die so genannte Ehrenamtsquote in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. Das Ehrenamt ist vielfältig und wird sowohl von großen Institutionen und Einrichtungen organisiert, in Vereinen gebündelt oder auch im Kleinen in Form von Nachbarschaftshilfen realisiert. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer, ob im sozialen Bereich, im Sport oder in der Politik, würde die deutsche Gesellschaft nicht in dieser Form existieren. Sie bekäme ein anderes Gesicht. Der deutsche Staat ist schon lange nicht mehr in der Lage, den hohen existierenden Standard in vielen Bereichen halten zu können.

So werden in Deutschland lediglich 102 Berufsfeuerwehren unterhalten. Diese gibt es nur in Städten mit mehr als hunderttausend Einwohnern. Rund 1,3 Millionen Menschen sind in Freiwilligen, Jugend-, Berufs- und Werkfeuerwehren an bundesweit 34.000 Feuerwachen und Gerätehäusern engagiert tätig. Davon sind knapp 28.000 Berufsfeuerwehrleute. Die Freiwilligenquote liegt bei etwa 97 Prozent. Somit werden nahezu 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von Freiwilligen Feuerwehren ohne Berufsfeuerwehr betreut. 31 Prozent der Bevölkerung lebt in Städten mit Berufsfeuerwehr, allerdings gibt es hier trotzdem auch Freiwillige Feuerwehren, die die Berufsfeuerwehr unterstützten. Vor allem in den Randbereichen der Stadt fahren sie eigenständige Einsätze und treffen weit vor der Berufsfeuerwehr an der Unfallstelle ein. Die tatsächliche Einwohnerzahl, die von Freiwilligen Feuerwehren betreut wird, liegt demnach noch weit höher.

Soziale Berufe wirken nicht mehr attraktiv

Angehörige der freiwilligen Feuerwehr sind während ihres Einsatzes zwar versichert. Sie erhalten aber als einzige Aufwandsentschädigung nur ein wenig Geld für das verfahrene Benzin. Dafür opfern sie ihre Freizeit, bleiben manchmal – wenn es der Einsatz erfordert - der Arbeit fern und riskieren nicht selten ihre Gesundheit und ihr Leben, ganz abgesehen von den psychischen Belastungen, die manche Einsätze mit sich bringen.
Menschen, die beruflich mit dem Wohle der Allgemeinheit beschäftigt sind, werden in Deutschland nicht gerade üppig entlohnt. Die Polizei sucht dringend Nachwuchskräfte. Der Anspruch an die Polizisten ist hoch. Die Bezahlung spiegelt diese hohen Anforderungen jedoch nicht wider. So wird ein Absolvent eines dualen Studiums, das bei der Polizei möglich ist, bei Eintritt in den gehobenen Dienst in die Besoldungsgruppe A9 eingestuft. Dies entspricht laut Landesbeamtenbesoldung Rheinland-Pfalz einem Monatsbruttogehalt von 2.228,18 Euro. Als Lohn für Schicht, Stress und dem Einsatz der eigenen Gesundheit für die Allgemeinheit. Ob Krankenschwester oder Altenpfleger angemessen entlohnt werden, bedarf es keines Nachdenkens. Der durchschnittliche Einstiegsbruttolohn einer Krankenschwester beträgt in Rheinland-Pfalz 1.930 Euro. Eine Altenpflegerin verdient im Durchschnitt in Rheinland-Pfalz 1.872,00 Euro. Das macht die Jobs – sieht man einmal von der hohen seelischen, körperlichen und zeitlichen Belastung ab - nicht attraktiver.

Sieger der Herzen

Menschen, die sich im Bereich Pflege, Schutz oder Soziales beruflich einbringen wollen, können sich ihren Berufswunsch häufig gar nicht leisten. Nach dem Wegfall des Zivildienstes wurde der Engpass an Arbeitskräften besonders deutlich. Der Bundesfreiwilligendienst stopft die entstandene Lücke mit zeitlich begrenzten Hilfskräften, die aus den unterschiedlichsten Motivationen den Weg als engagierte Helfer gehen. Der Vorteil: sie sind billig.
Deutschland sähe anders aus, wären da nicht die vielen Freiwilligen, denen es ein Bedürfnis ist, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, Aufgaben zu übernehmen, Hilfe zu leisten, mitzudenken und Dinge zu bewegen – eben die Gesellschaft menschlicher zu machen. Sie bekommen dafür kein Geld, oftmals noch nicht einmal eine Aufwandsentschädigung. Mittel zur Hilfe finanzieren sie häufig selbst. Manchmal übernehmen sie sogar Raummieten und Transportkosten. Diese Menschen erhalten einen anderen Lohn. Sie werden anerkannt, fühlen sich gebraucht und sind zufrieden. Sie stehen auf der Gewinnerseite, wenn sie geben können.
Die Bundesrepublik Deutschland leistet sich Verlierer. Menschen, die nehmen, ohne bedürftig zu sein und ohne Leistung zu vollbringen. Sie zahlt Politikern bereits nach kürzester Abgeordnetentätigkeit einen hohen Pensionsanspruch, die ihn nach menschlichem Ermessen nicht in der Höhe erworben haben können. Auch wenn es wieder still geworden ist um Herrn Wulff, wir haben ihn nicht vergessen.

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