Flying Steps zu Sebastian Bach

Wenn Tanz und Musik aus zwei verschiedenen Epochen stammen und doch zusammenfinden, dann kann daraus ein Crossover-Projekt mit einem interessanten Spannungsbogen entstehen. Die Moves der HipHop Szene zu Sebastian Bachs Wohltemperiertes Klavier macht die Kunst der einen Gattung den Vertretern der anderen Epoche zugänglich und erlebbar. Das Crossover zweier Welten auf der Plattform des ernsthaften Könnens zur lebhaften Unterhaltung beider Zuschauergruppen ist ein weit geöffnetes Fenster beider Kulturen. Die Flying Steps gehören zu den erfolgreichsten Urban Dance-Gruppen der Welt. Mit Red Bull Flying Bach bringen die vierfachen Breakdance-Weltmeister aus Berlin eine eigene große Produktion auf die Bühne. Im Herbst touren sie durch Europa und kommen auch in einige deutsche Städte. Besondere Aufmerksamkeit erreichten sie mit einem Auftritt während des European Song Contest im Mai.

Breakdance zu Klassik ist nicht wirklich neu. Bislang jedoch konnten die Tänzer lediglich Akzente zur klassischen Musik liefern. Flying Steps geht einen anderen Weg. Sie interpretieren die Musik, in dem sie die einzelnen Tanzstile wie klassischer Breakdance über Popping, Locking, House, Krumping bis zu einigen Modern Dance-Elementen zusammenführen und weiterentwickeln. Üblicherweise orientiert sich Breakdance an den Beats des HipHops. Bei Bach müssen auch ruhige Klänge in Körperbewegungen umgesetzt werden. Dazu arbeiten die Flying Steps mit den einzelnen Stimmen der Musik, die jeweils einem Tänzer zugeordnet wird und im Zusammenspiel die Fuge Bachs aus dem Inneren heraus verkörpern. In dieser Kombination spielt das schauspielerische Talent eine größere Rolle als es normalerweise in der HipHop Tanzchoreographie üblich ist. Dort steht Akrobatik und Technik im Vordergrund. Beides nimmt bei Flying Steps weiterhin seinen unübersehbaren Platz ein, wird allerdings durch die emotionale Einfügung in die zeitlose Eleganz der Bach´schen Musik um ein Vielfaches gesteigert. Breakdance wird aus der Nische der Straßenkultur oder des Sports herausgeholt – auch für den Kunstliebhaber, der mit der Straßenszene keinerlei Berührungspunkte hat.