Einfach, frisch, lecker und gesund

Die tägliche Ernährung soll schnell, einfach, ausgewogen, lecker und vitaminreich sein. Für Berufstätige, ältere Menschen oder auch Singles ist dieser hohe Anspruch gar nicht so leicht umzusetzen. Möglichst frische Produkte sollen es sein, die aus kontrolliertem Anbau stammen, idealerweise vom Bauern um die Ecke. Das bedeutet, mehrmals pro Woche an verschiedenen Stellen einkaufen, vorbereiten, kochen und dann allerdings, sozusagen als Belohnung der täglichen Mühe, essen mit Genuss. Kaum jemand hat die Zeit, sich jeden Tag intensiv mit seiner Ernährung auseinander zu setzen. Eine weitere nicht unerhebliche Voraussetzung für das Zubereiten eines schmackhaften Essens ist die Fähigkeit zu kochen. Diese ist bedauerlicherweise nicht immer vorhanden und geht trotz einer Kochshowinvasion auch immer weiter verloren. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Griff zu Convenience Food leicht fällt.

Der Begriff Convenience bedeutet Bequemlichkeit. Unter Convenience Food werden Nahrungsmittel verstanden, die bereits bestimmte Be- und Verarbeitungsstufen durchlaufen haben, und damit angenehm und bequem eingesetzt werden können. Man unterscheidet zwischen Fertiggerichten wie beispielsweise Pizza und Eintopfgerichten, und fertigen Teilgerichten wie Nudelsaucen und Backmischungen. Der Einsatz von Convenience Food birgt eine Reihe von Vorteilen. Fertige oder teilfertige Produkte sind ideal für die Lagerung. Hochwertig produzierte tiefgefrorene Gemüse oder Konservengemüse sind auf der Höhe ihrer Reife geerntet und in aller Regel schnell in den haltbaren Zustand versetzt worden. Sie enthalten häufig mehr Vitamine und Mineralstoffe als Frischgemüse, das nicht gleich verbraucht wird. Die Kochzeiten verringern sich beim Einsatz von fertigen Produkten und die Rezepturen werden meist ganz oder zumindest teilweise mitgeliefert. Da die deutschen Haushalte schrumpfen, ist es für Singlehaushalte ebenfalls möglich, vollständige Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen, während Kochen aus Frischeprodukten häufig als nicht lohnend abgelehnt wird. Allerdings hat auch der Einsatz von Convenience Produkten Nachteile. Das Müllaufkommen steigt beträchtlich, da die Fertig- oder Teilfertigprodukte wunderbar ansprechend und reichlich verpackt sind. Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker, häufig eine zu große Menge an Salz, Fett und vor allen Dingen reichlich Zucker werden als stille Begleiter mitgeliefert. Experten beobachten eine Vereinheitlichung des Geschmacks in typischen Convenience Food Gesellschaften wie den USA – ganz abgesehen von einer ungesunden Fettleibigkeit von Männern und Frauen.

In den vergangenen Jahren wurden in der Nahrungsmittelindustrie immer wieder illegale, gesundheitsschädliche oder leider auch vergammelte Lebensmittel oder Zusatzstoffe verwendet, die der Verbraucher rein optisch oder geschmacklich nicht erkennen kann. Obwohl es sich zumeist um Einzelfälle handelt, haben sie wie im jüngsten Dioxinskandal weitreichende Folgen und zerstören nachhaltig das Vertrauen der Verbraucher in die Lebensmittel. Davon sind sowohl die Konsumenten von frischen Produkten wie von Convenience Food betroffen.

Ein Glaubenskrieg über eine absolutistische Ernährungsphilosophie ist sinnlos. Die meisten Menschen essen täglich mehr oder weniger Convenience Food. Joghurt, Butter, Wurst, Marmelade, Brot und vieles mehr gelangt im Zustand einer gewissen Stufe der Weiterverarbeitung wenn nicht sogar als fertiges Produkt in unseren Haushalt. Zu einer ausgewogenen Ernährung gehört jedoch auch das Zubereiten von Mahlzeiten unter Verwendung nicht verarbeiteter Produkte, die möglichst sorgfältig ausgewählt, gelagert und verwendet werden sollten. Der Mix aus zeitgemäßen Hilfsmitteln und eigenem Einsatz unter Zuhilfenahme des gesunden Menschenverstandes sollte zu einer gesunden Ernährung führen. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass wertvolle, qualitativ hochwertige Lebensmittel nicht zu Billigpreisen zu haben sind. Eine Ernährung mit frischen, saisonalen und regionalen Produkten ist allerdings auf die Dauer die kostengünstigere Variante.