Die Wirtschaft im Winterschlaf?

Sieht man einmal vom gut gelaufenen Weihnachtsgeschäft ab, so ist der Winter auch in der Wirtschaft eine eher ruhigere Zeit. Ob Baubranche, Landwirtschaft, Gastronomie – alle scheinen wie die Natur in einen Winterschlaf oder zumindest in eine Art Winterruhe zu gehen. Das Ende des Jahres naht, die Feiertage stehen vor der Tür und ein langes, arbeitsreiches Jahr liegt hinter uns. Wie beim menschlichen Organismus scheint das System heruntergefahren und erst im Frühjahr wieder aktiviert zu werden.

Entscheidungen werden verschoben, Gelder eingefroren, Stellen bis auf Weiteres nicht neu besetzt. Erst im Frühling wird wieder Fahrt aufgenommen. Eine eigene Form des Frühlingserwachens. Die Aktivität kehrt zurück. Frisch gestärkt. Selbst die Kauflaune korreliert mit dem Wetter. Scheint die Sonne, sind die Menschen zu Einkäufen wesentlich eher bereit. Ist es trüb, kalt und regnerisch, sinkt auch die Kaufbereitschaft der Kunden.

Fragen über Fragen - Kann man sich in Sicherheit wiegen?
An den alljährlichen saisonalen Abschwung sind wir gewöhnt. Aber was ist nun mit der Weltwirtschaftskrise, die in aller Munde ist? Wie wirkt sie sich aus, die viel beschworene, angekündigte Krise, die im vergangenen Herbst in den USA ihren Anfang nahm und seitdem unzählige Hiobsbotschaften nach sich zog – und das weltweit. Kursstürze an den internationalen Börsen, der DAX auf seiner Talfahrt nicht zu bremsen, schwere Schläge, die die Automobilindustrie trafen und gleich den gesamten Zuliefererbereich mit zu Boden gehen ließen. Um nur einige zu nennen. Und das, nachdem wir uns schon über positive Konjunkturaussichten gefreut hatten. Wo stehen wir nun? Mitten in der Misere? Oder haben wir sie noch vor uns? Oder wird es am Ende doch nicht so schlimm wie befürchtet und von allen prophezeit? Aus Erfahrung wissen wir und sind es nicht zuletzt auch aufgrund saisonaler Schwankungen in der Wirtschaft gewöhnt, dass es Auf- und Abschwünge gibt. Und das regelmäßig wiederkehrend. Sicher sind wir in unserer schnelllebigen Zeit mittlerweile auch ein ganzes Stück krisenerprobter geworden. Als die große, bunte Internetblase mit lautem Knall platzte, haben wir schließlich auch überlebt und befinden uns heute mitten in der Epoche des Web 2.0.

Jede Krise kann auch einen Neuanfang bedeuten

Krisen haben immer auch mit Psychologie zu tun. Vielleicht sollten wir uns weniger von einseitiger Berichterstattung beeindrucken und aufregen lassen. Krisen kommen und gehen. Das haben wir gelernt. Eine Notlage bedeutet wie im Privaten auch in der Ökonomie die Chance zum Neuanfang. Und den sollte man nutzen. Dennoch, Krisen bedeuten zunächst einmal Unsicherheit und mangelnde Planbarkeit. Wie wir eine solche Phase meistern, liegt nicht zuletzt an uns selbst. Die Zahlen des Einzelhandels haben bewiesen, dass sich die Menschen im vergangenen Dezember nicht am Weihnachtseinkauf hindern ließen. Krise hin, Krise her, es wurde kräftig gekauft und damit die Lieben beschenkt und die Wirtschaft angekurbelt. Und nun bekommen wir auch noch Hilfe: Die Bundesregierung spannt mit dem Konjunkturpaket einen ordentlichen Rettungsschirm auf. Mit ihrem Hilfspaket fördert sie in den Jahren 2009 und 2010 nach eigenen Angaben Investitionen und Aufträge von Unternehmen, privaten Haushalten und Kommunen von rund 50 Milliarden Euro.

Hoffen wir, dass allen Prognosen von Stagnation oder gar Rezession zum Trotz, auch hier der Frühling vor der Tür steht und der Winterschlaf abgeschüttelt wird. Dass eine neue Jahreszeit beginnt und mit ihr ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung einzieht.

Jaleh Nayyeri