Die Weihnachtstradition

Die Weihnachtszeit ist die Zeit der Tradition und des Brauchtums. Trotz aller Hektik halten wir an der Zeit der Kerzen und Lichter, des Plätzchenbackens und der Geschenke fest. Und mal ehrlich, wer kommt schon wirklich gänzlich ohne Weihnachtsschmuck und Dekoration aus? Doch woher die Traditionen kommen und was dahinter steckt, geriet in Vergessenheit.
Wir haben uns mal für Sie erkundigt.

Adventskalender

Der erste Adventskalender, dessen Datum wohl im 19. Jahrhundert liegen mag, zählte ebenso jedoch sehr schlicht die Tage bis Weihnachten wie unsere heutigen, manchmal sehr üppigen Kalender dies tun. Mit 24 Kreidestrichen, von denen die Kinder täglich einen wegwischen durften, einer Adventskerze, die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt werden durfte, bis hin zu 24 Strohhalmen in der Weihnachtskrippe. Die wohl früheste Form eines selbst gebastelten Adventskalenders stammt aus dem Jahr 1851. Das erste gedruckte Exemplar entwickelte 1908 Gerhard Lang, Teilhaber der lithographischen Anstalt Reichhold & Lang. Seit 1920 erschienen die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen auf dem Markt, so wie wir sie heute kennen.

Adventskranz

Der Adventskranz in der heute bekannten Form ist noch ein junger Brauch. Ende des 19. Jahrhunderts schmückte der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern seinen Kronleuchter mit viel Tannengrün und setzte 24 Kerzen darauf. Immergrüne Pflanzen wurden bereits vor 600 Jahren in den Wohnräumen zu Weihnachten dekoriert, denn sie symbolisierten ungebrochene Lebenskraft, die Haus und Hof vor Schaden bewahren sollte. Auch Kerzen, traditionell rot als Sinnbild für das Blut Christi, werden seit dem 14. Jahrhundert in der Adventszeit angezündet.

Christbaum

Die Entwicklung des Christbaumes hat keinen eindeutigen Anfang, sondern setzt sich aus Bräuchen verschiedener Kulturen zusammen. In immergrünen Pflanzen steckt Lebenskraft und darum glaubte man, Gesundheit ins Haus zu holen, wenn man sein Zuhause mit Grünem schmückte. Bereits die Römer bekränzten zum Jahreswechsel ihre Häuser mit Lorbeerzweigen. Einen Baum zur Wintersonnenwende zu schmücken, ehrte auch im Mithras-Kult den Sonnengott. Auch in nördlichen Gegenden wurden im Winter schon früh Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen und Einnisten zu erschweren und das Grün gab Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings.
Bevor der Christbaum eingeführt wurde, hatten die Familien ihre Zimmer wie eine Sommerlaube bis zur Decke mit immergrünen Zweigen dekoriert. Später waren es nicht mehr nur Zweige, sondern gleich ganze Bäume, die unter der Decke hingen. Erst im 17. Jahrhundert wurde der Baum so wie heute aufgestellt.
Der Baumschmuck wurde sorgfältig ausgesucht: Blankgeputzte, rotbackige Äpfel erinnerten an Adam und Eva und galten als Fruchtbarkeitssymbol, knusprige Lebkuchen sollten langes Leben schenken und Rosen aus Seidenpapier ließen die Christbäume auch im Winter blühen. Der Christbaum fand ab dem 19. Jahrhundert allgemeine Verbreitung, womit die Krippe ihre Mittelpunktsfunktion verlor.

Christkind

Das Christkind ist, ähnlich wie der Weihnachtsmann oder der Nikolaus, eine mythische Symbolfigur des weihnachtlichen Schenkens. Es schleicht in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember in die Häuser und beschenkt die braven Kinder, während die unartigen leer ausgehen. Anders als Knecht Ruprecht, dem Helfer vom Nikolaus, bestraft es aber nicht.
Das Christkind ist ursprünglich eine Erfindung von Martin Luther. Im Mittelalter wurden die Kinder am Nikolaustag (6. Dezember) oder am Tag der unschuldigen Kinder (28. Dezember) beschenkt; die Bescherung am Heiligabend oder am ersten Weihnachtsfeiertag, wie es je nach Region üblich ist, gab es damals noch nicht. Die Protestanten lehnten die katholischen Heiligen ab. Ein Problem war hierbei jedoch der Brauch des Schenkens am Nikolaustag, von dem auch die Protestanten nicht abrücken wollten. Luther ersetzte deshalb den Nikolaus durch das elsässische Christkind, das am 25. Dezember Geschenke verteilt. Bis 1900 war bei Katholiken das Schenken am Nikolaustag üblich. Erst danach setzte sich das evangelische Christkind zusammen mit Adventskranz und Weihnachtsbaum auch bei Katholiken durch.
Das Christkind ist aber, entgegen landläufiger Meinung, wohl nicht mit dem neugeborenen Christus identisch. Vielmehr geht die Bezeichnung vermutlich auf Weihnachtsspiele zurück, in denen die Christkinder zur Krippe zogen und dem Jesuskind Geschenke darbrachten. Zudem wird das Christkind traditionell als Mädchen oder als Engel dargestellt.
Im 19. Jahrhundert wurde das Christkind von der katholischen Kirche übernommen, während es im protestantischen Weihnachtsbrauch eine immer geringere Rolle spielte und langsam vom säkularisierten Weihnachtsmann verdrängt wurde. So kommt das ursprünglich protestantische Christkind heutzutage vor allem in katholische Haushalte.
Viele Kinder schicken in der Vorweihnachtszeit Briefe mit Wünschen an das Christkind. Diese werden in extra eingerichteten Weihnachtspostämtern gesammelt und zumeist auch beantwortet.

Christmette

Die Christmette ist im ursprünglichen Sinn das in der Heiligen Nacht gesungene Morgengebet der Kirche zum Weihnachtsfest. Die einst sehr unterhaltsame Weihnachtsmesse, in der Maskeraden, Marionettenspiele, Heitere Musik- und derbe Liedaufführungen zum Programm gehörten, erfuhr einen tiefen und ernsten Einschnitt in der Reformationszeit. Heute finden Messen traditionell um Mitternacht, aber auch am frühen Abend oder am Weihnachtsmorgen statt.

Nikolaus

Der heilige Nikolaus von Myra, Patron der Seefahrer, Händler und Ministranten, wirkte in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts als Bischof von Myra in Kleinasien (heute Türkei) und war der Christenverfolgung ausgesetzt. Er ist als einer der 318 Teilnehmer des Ersten Konzils von Nicäa aufgeführt. Nikolaus ist seither einer der populärsten christlichen Heiligen. Seine Tätigkeit hat zu vielfältiger Legendenbildung beigetragen. Einmal soll er den hungernden Bewohnern der Stadt Myra Getreide aus einer für Rom bestimmten Lieferung beschafft haben, ohne dass bei der Nachzählung in Rom das fehlende Getreide bemerkt worden sei. Ein andermal soll er die Kinder der gleichen Stadt vor der Entführung durch Seeräuber gerettet haben und weiterhin soll er einem armen Mädchen zur Heirat verholfen haben, die sich ihr Vater nicht habe leisten können.
Italienische Piraten raubten 1087 einen Teil der Gebeine und brachten sie nach Bari. Von dort forderte sie die türkische Nikolaus-Stiftung zurück.

Ursprung des Weihnachtsdatums

Obwohl Weihnachten heutzutage das zentrale Fest im Christentum ist, ist die Tradition der Feste rund um die Weihnachtszeit viel älter als das Christentum selbst. In der Bibel lässt sich außer der Geburt Jesus Christus nichts über Ursprung und Bräuche zum Weihnachtsfest finden. Auch gibt es keinen Hinweis auf das Geburtsdatum von Jesus Christus. Der 25. Dezember erscheint eher unwahrscheinlich, da die Hirten ihre Tiere nachts noch im Freien ließen, was in den kalten palästinischen Nächten sicher nicht ratsam war. Und warum sollten die Römer ausgerechnet in der Winterzeit die Volkszählung abhalten? Der 25. Dezember war schon in vorchristlicher Zeit in vielen Kulturen ein wichtiges Datum, da an diesem Tag das Fest zur Wintersonnenwende (nach dem Julianischen Kalender) begangen wurde. Die Germanen feierten zu dieser Zeit das Julfest oder das Mittwinterfest. Im römischen Reich wurden die Saturnalien, ein Friedensfest, an dem man besonders der Armen und Sklaven gedachte, gefeiert. In Persien soll an diesem Tage Mithras, der Licht- oder Sonnengott, geboren worden sein. Der Mithraskult begann sich im Jahre 70 vor unserer Zeit im ganzen römischen Reich als neue Religion auszubreiten. Der Mithraskult kannte die sieben Sakramente mit der Taufe, Firmung und Kommunion. Die Lehre der Dreifaltigkeit, die Unsterblichkeit der Seele, das letzte Gericht und die Wiederauferstehung waren Bestandteile des Kultes. Mithras wurde auch als Heiland und Erlöser verehrt. Erst Konstantin (288-337) instrumentalisierte das Christentum, um seine politischen Ziele durchzusetzen. Kaiser Theodosius (379-395) erklärte das Christentum endgültig zur Staatsreligion. Die immer mächtiger werdende Kirche dämonisierte den Mithraskult, stieß aber auf wenig Anklang in der Bevölkerung, die nach wie vor an ihren gewohnten Sitten und Bräuchen hingen. Also begann man, wie bei anderen Festen auch, die bestehenden Traditionen zu assimilieren, was wegen der vielen Ähnlichkeiten mit dem Mithraskult recht unproblematisch war. Auf dem zweiten Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 erklärte die Kirche den 25. Dezember zum Dogma. Erst im Laufe des siebten und achten Jahrhunderts verbreitete sich in Deutschland das Datum des 25. Dezembers als Festtag, an dem Christi Geburt gefeiert wurde. Auf der 813 stattfindenden Mainzer Synode wurde dieser Tag offiziell zum festum nativitas Christi erklärt.

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