Die Ökobilanz für Lebensmittel

Regionale Produkte haben ökologisch gesehen die Nase vorn. In der Vergangenheit gab es Diskussionen, ob diese These überhaupt zu halten ist. Denn Studien der Universität Gießen gaben an, dass Lebensmittel in Großbetrieben mit einem weitaus geringeren Energieaufwand verarbeitet werden können, als kleine Betriebe dazu in der Lage sein können. Der Transport falle nur marginal ins Gewicht der Bilanz. Als grundsätzliches Beispiel wurden die Herstellung und der Transport von Apfelsaft angeführt. Andere Studien widerlegten jene Behauptungen und führten diesen Vergleich auf Hobbymostereien zurück, die in der Tat mit mehr Liebhaberei denn Effizienz geführt wurden. Beim Vergleich eines regionalen mit einem überregionalen Warenkorb stellte sich heraus, dass die regionale Variante beim Transport nur ein Drittel der Energie benötigte. Die Lärmbelastung war um mehr als die Hälfte geringer und die Straßen wurden um zwei Drittel weniger beansprucht. Zudem führten Wissenschaftler der Technischen Universität München an, dass Lebensmittel nicht nur „Träger eines Energierucksacks“ seien. Wird die Umweltverträglichkeit insgesamt betrachtet, spielen weitere Aspekte wie Naturschutz, Aufwand für Pflanzenschutzmittel, Lärmbelastung, Schadstoffausstoß oder Straßenbeanspruchung eine Rolle. Viele kleine regionale Initiativen verfolgen mit ihrer Wirtschaftsweise zudem ganz spezielle Ziele: beispielsweise den Erhalt von bestimmten Landschaftsbiotopen, Kulturpflanzenarten und Nutztierrassen oder auch die Einbeziehung gesellschaftlicher Randgruppen in die Produktion. Sie produzieren daher weit mehr als nur Schaffleisch oder Äpfel. Sie sorgen auch für eine für Bewohner und Touristen attraktive Landschaft, einen hohen Erlebniswert und eine Belebung der heimischen Wirtschaft. Der Aufwand, Lebensmittel zu transportieren, hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren verdoppelt, obwohl die Menge an verzehrten Lebensmitteln weitgehend gleich geblieben ist. Der Transport verursacht in Deutschland - vor allem durch Lärm und Straßenbeanspruchung - Folgekosten in Höhe von mehr als 4,5 Milliarden Euro jährlich. 
Produkte von regionalen Produzenten haben somit eine deutlich bessere Ökobilanz, wenngleich sie durchaus in einigen Fällen effizienter produziert werden könnten. Sinnvoll wäre eine engere Vernetzung, insbesondere im Hinblick auf Transport und Vermarktung. Derzeit wird in Deutschland beim Lebensmitteleinkauf nicht einmal ein Prozent für Waren aus der Region ausgegeben. Dieser Anteil kann deutlich gesteigert werden. Eine Kennzeichnung – fast schon einer Personalisierung gleichkommend – wäre für eine eindeutige und rasche Identifizierung in Supermärkten sicherlich schon hilfreich. Umfragen unter Verbrauchern ergaben, dass sie bereit sind, Regionales zu kaufen, wenn sie die Möglichkeit – ohne Mehraufwand- dazu erhalten. Die bereits existierenden Hofläden, Bauernmärkte und natürlich Wochenmärkte sind für eine existenzsichernde Vermarktung zu wenig und für den Verbraucher häufig auch nicht immer ansteuerbar. 
 

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