Die Aufgaben der Wirtschaftsförderung

Wenn von Wirtschaftsförderung in einer Region, einer Stadt oder Kommune die Rede ist, dann wird im Allgemeinen alles darunter subsummiert, was der Wirtschaft förderlich ist. So ist zumindest die landläufige Meinung der Unternehmer und der Bürger. 
Thomas Hammann, Geschäftsführer der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft in Neustadt, fasst die Erwartungen an die Wirtschaftsförderung so zusammen: „Mittlerweile sieht man die Schaffung einer guten Kinderbetreuung, den Ausbau von Wohnraum, die Sicherstellung hervorragender medizinischer Versorgung und Pflegeeinrichtungen für ältere Menschen – also das, was man unter weichen Standortfaktoren versteht – ebenso als Aufgabe der Wirtschaftsförderung an wie die Ansiedlung von erfolgreichen, aber unauffälligen Gewerbe. Auch werden die Mieten für Gewerberaum bei den Wirtschaftsförderern angemahnt oder der Branchenmix in der Innenstadt reklamiert.“ Dies sind jedoch Faktoren der am Markt agierenden Personen und können nicht kommunal oder staatlich geregelt werden. Wer welche Mieten verlangt und dann eben auch bekommt, ist nicht von den Behörden regulierbar. Auch entscheiden Einzelhändler selbst, ob sie sich in dieser oder jener Stadt niederlassen. Rahmenbedingungen auszuhandeln und zu verbessern, Vernetzungen zu schaffen und Konzepte auszuarbeiten, mit denen Vorhandenes weiterentwickelt werden kann, liegen allerdings in der Zuständigkeit der Wirtschaftsförderer.
Die Aufgaben einer städtischen Wirtschaftsförderung sind vielfältig. Von der Anbahnung von Gewerbeansiedlung über die Vermarktung städtischer Liegenschaften bis hin zur Moderation bei Gesprächen unterschiedlicher wirtschaftlicher Interessensgruppen und Beratung von Unternehmern sind die Ideen, das Verhandlungsgeschick und die Kompetenz der Wirtschaftsförderer gefragt. Sie sind Wegbereiter, Lotsen und Problemlöser. Sie betreuen ortsansässige sowie am Standorte interessierte Unternehmen. Wirtschaftsförderer begleiten und unterstützen unternehmerische Vorhaben von der Planungsphase bis zur Realisierung durch umfassende Beratung und Angebote geeigneter Standorte und Immobilien. Sie knüpfen Kontakte zu anderen öffentlichen Stellen und Kooperationspartnern. Um die Attraktivität des Standorts zu fördern und nach innen und außen zu kommunizieren, unterhält die Wirtschaftsförderung einen regen Austausch mit unterschiedlichen Interessensgruppen wie Einzelhandel, Dienstleistern, Handwerk, Immobilienbesitzern und Ärzten. 
Der Erfolg der Wirtschaftsförderung ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Nicht zuletzt ist die Zusammenarbeit der öffentlichen Stellen und Ämter ausschlaggebend, die den Bemühungen der Wirtschaftsförderung zu einem schnellen Ergebnis verhelfen können – oder eben nicht. Auch die Unternehmer selbst sind Teil des Erfolgsquotienten. Wie schnell werden beispielsweise Daten und Unterlagen für ein Genehmigungsverfahren beschafft, Ideen umgesetzt und Netzwerke genutzt?
In den seltensten Fällen halten die Wirtschaftsförderer die Fäden in der Hand, mit denen sich Strippen ziehen oder Stricke drehen lassen. Immer noch sind Unternehmer ihres eigenen Glückes Schmied und müssen entsprechend handeln. Unternehmerische Entscheidungen werden nicht von der Wirtschaftsförderung getroffen. So kann, wie im Falle des Neustadter Herties, die Wirtschaftsförderung Anregungen geben und Konzepte ausarbeiten. Aber über den Verkauf eines Objekts und den Investor entscheidet weder die Wirtschaftsförderung noch die Stadt als solche. Die Wirtschaftsförderung unterliegt der strategischen Ausrichtung der spezifischen Stadtkonzeption, die über die Auswahl der Gewerbe, die ansiedlungswillig sind, die Richtung vorgibt. In der Pfalz dominiert die touristische Ausrichtung, deren wertvollstes Pfund die schöne Landschaft ist. So sind Gewerbe mit großflächigen Flächenversiegelungen und rauchenden Schornsteinen nicht unbedingt die erste Wahl.  
Förderlich für die Wirtschaft sind das gute Zusammenspiel aller am Wirtschaftprozess beteiligten Partner und eine Verwaltung, der Wirtschaftsprozesse nicht fremd sind. 
 

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