Demonstration der Lebensart

Wenn motorisierte Zeitzeugen eine Reise unternehmen, dann handelt es sich um mehr als um ein rollendes Museum. Es ist eine beeindruckende Parade der Schönheiten und Stilikonen. Die geschwungenen Designlieblinge sind Beweise der Eleganz vergangener Epochen, die ihren Glanz bewahrt haben.

Eine solche Demonstration der Lebensart rollt im Zwei-Jahres-Rhythmus durch die Südpfalz. Bereits zum 18. Mal startet am Wochenende des Maikammerer Maifestes – das ist Samstag, 15. Mai 2010 – ein langer Zug von Veteranenfahrzeugen zur Internationalen Weinrallye. Das Feld der Oldies wächst von Jahr zu Jahr an. In diesem Frühjahr werden um die 300 Fahrzeuge erwartet. Wolfgang Rheinwalt ist erster Vorsitzender des Automobil-Clubs Maikammer e.V.. Der Verein veranstaltet die Weinrallye ebenso wie die aufsehenerregende Vino Miglia, die im Wechsel zur Weinrallye durchgeführt wird. Das Wort Rallye ist irreführend.

Bei dieser gemütlichen Fahrt auf der rund 130 Kilometer langen Route durch die Südpfalz zählt nicht Geschwindigkeit oder Leis-tungsstärke. Dabei sein ist alles. Die wirkliche Rallye findet bei der Sicherung des Startplatzes lange vor dem Startsignal statt. Bereits Anfang Januar – zwei Wochen nach Aussendung der Einladung – gingen bereits an die hundert Anmeldungen ein. Motorräder bis Baujahr 1958 und Automobile bis Baujahr 1968 dürfen gemeldet werden – aber eben nur drei pro Typ werden zugelassen. Und schon geht das Rennen los. „Damit sichern wir den Zuschauern eine abwechslungsreiche und auch anspruchsvolle Rallye zu“, sagt Rheinwalt. Wahre Schätzchen stehen auf der Liste: Buicks aus dem Jahr 1930, ein DKW F8 Front Luxus Cabrio Zweisitzer aus dem Jahr 1938, Riley Racing Sports (1937) und viele andere Liebhaberstücke mit Seltenheitswert.

1954 rollte die erste Weinrallye durch die Pfalz. Erich Ulrich als damaliger ADAC Pfalzvorstand hielt die Federführung. Es folgten erfolgreiche Jahre – und auch ein Zeitraum, in dem die Rallye pausierte. Bei ihrer Wiederbelebung 1971 traten Wolfgang und Margot Rheinwalt, sie ist heute Schatzmeisterin des AC Maikammers, als Helfer dem Verein bei. Ihre Faszination für die schönen Fahrzeuge stieg von Jahr zu Jahr bis hin zu dem Entschluss, selbst maßgeblich an der Gestaltung der Rallye mitzuwirken. Im Organisationsteam der Weinrallye wirken ständig zehn Mitglieder mit. Jedoch am Tag der Rundfahrt ist die tatkräftige Hilfe von rund 80 Personen nötig. Die große Runde führt mit Start in Maikammer durch Rhodt, Ramberg und Birkweiler, stoppt auf dem Schlossplatz in Bad Bergzabern, wo mit einem großen Hallo Elsässer Flammkuchen und Rotwein genossen werden, und rollt weiter nach Schweigen. Im Restaurant des Deutschen Weintors treffen sich Teilnehmer zur großen Mittagspause. Der Weg führt weiter über Billigheim nach Dammheim und Venningen. Die Tour endet gegen 17 Uhr.

Da viele Teilnehmer mit ihren Schätzchen von weither zu der beliebten Weinrallye in die Pfalz anreisen – einige nehmen einen Anfahrtsweg von 600 und mehr Kilometer auf sich – kosten sie gerne die Möglichkeit aus, die attraktive Region, die sich regelmäßig im Mai im besten Licht zeigt, etwas näher kennen zu lernen. „In diesem Jahr bieten wir am Freitag eine Ausfahrt in das Zellertal an. Sozusagen als Prolog Pfalztour. Erfahrungsgemäß sind die Teilnehmer begeistert über die Möglichkeit, weitere schöne Ecken kennen zu lernen. Und auch sich mit den Fahrern bei einem Glas Wein anschließend austauschen zu können“, weiß der Vorsitzende. Wahre Freundschaften seien schon auf den Fahrten geschlossen worden, die über Jahre hinweg so viel Bestand bewiesen wie die Verlässlichkeit der motorisierten Veteranen selbst.

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