Das Ziel vor Augen

Jährlich fährt der 13-jährige Lukas Baum rund 6.000 Kilometer Rennrad und trainiert mindestens dreimal wöchentlich zwei Stunden auf seinem Mountainbike. Nahezu jedes Wochenende nimmt er deutschlandweit an Radrennen teil. Er trainiert mit Erwachsenen, weil gleichaltrige Fahrer seiner Leistungsklasse kaum zu finden sind.

Aber auch so mancher gestandene Rennfahrer hat bereits Mühe, ihm auf dem Rad zu folgen. Er hängt sie am Berg ab – hinauf und auch wieder bergab. Seine Trainingspartner haben Namen wie Carsten Bresser und Wolfram Kurschat. Der Anspruch an ihn selbst ist hoch, die Motivation ist groß, gerade dann, wenn er schon heute mit solch prominenten Namen mithalten kann. Der Gymnasiast ist erfolgreich. 2007 gewann er die Rheinland-Pfälzische Landesmeisterschaft auf der Straße und Mountainbike, worin er auch ein Jahr später siegreich war. Er belegte 2008 den dritten Platz in der Ostthüringentour. „Richtig wichtig war mir der zweite Platz in der Südpfalztour 2007, in der ich auch eine Etappe gewinnen konnte“, erzählt Lukas. Sein Ehrgeiz und seine sportlichen Erfolge blieben nicht lange unentdeckt. Lukas gehört zum Rheinland-Pfälzischen Landeskader. „Dreimal im Jahr müssen wir für zwei Tage nach Ludwigshafen“, sagt der junge Radsportler. Dort würden die körperliche Verfassung, die Trainingsrhythmen begutachtet und Hilfe zur Optimierung des Trainings gegeben. Anhand der Protokolle, die die jungen Fahrer konsequent führen müssen, entsteht eine Kontrolle der Trainingseffizienz. Hinterfragt würde von den zuständigen Kadertrainern, so erzählt Lukas, wenn das empfohlene Pensum nicht erfüllt sei. Jedoch würde auch kritisch beäugt, wenn Lukas zu viel trainiere, sagt sein Vater Michael Baum. Das käme durchaus vor, denn Lukas sei außerordentlich trainingsfleißig. „Schlechtes Wetter hält ihn nicht aus dem Sattel“, sagt Baum, der selbst aktiv Rad fährt. Er war es auch, der den Jungen zum Radsport brachte. Vater und Sohn trainieren so oft es geht gemeinsam. Lukas versuchte sich zunächst im Fußballverein, doch schnell merkte er, dass er kein Mannschaftssportler ist. Zu tief sitzt der Siegeswille im dem Jungen, der eine Niederlage nicht einfach wegsteckt. „Wenn ich verliere, dann soll das allein meine Schuld sein. Und wenn ich gewinne, dann liegt das auch an mir“, so Lukas. Leichtathletik zählte ebenfalls zu seinen Disziplinen. Im Gewichtheben errang er schnell einen Titel auf Landesebene. Aber das Radfahren ist sein Sport. Seine Kondition ist fantastisch. Kleine Wettbewerbe auch außerhalb des Radsports spornen ihn an. Beim alljährlichen Neustadter Altstadtlauf ließ er sich im vergangenen Jahr für die zehn Kilometer Strecke aufstellen, die er in 42 Minuten absolvierte – gerade so, als habe er an jenem Tage noch etwas anderes vorgehabt...

Lukas‘ Sport kostet die fünfköpfige Familie viel Zeit, Geld und Nerven. Einen großen Sponsor gibt es nicht. Dafür ist Lukas noch zu jung. Die Sponsoren halten sich zudem in jener Sportart zurück, die in den vergangenen Jahren wegen des Dopings in Verruf geraten ist. Der Neustadter Fahrradhändler Trimpe unterstützt den jungen Sportler mit kostspieligem Material, doch das deckt die Kosten nur zum Teil. Die Reisen zu den Rennen sind teuer. Eine Übernachtung muss fast jedes Mal eingeplant werden, da Lukas die Strecke vor dem Rennen kennen muss. „Lukas muss sich auf das Rennen optimal vorbereiten können. Wenn er die Kurven nicht kennt oder den Spurt zu früh anzieht und aus diesem Grund schlechte Platzierungen einfährt, brauchen wir gar nicht erst hinfahren“, sagt Michael Baum. Während jedes Rennens hofft der Vater, seinen Sohn unverletzt nach Hause fahren zu können. An nahezu jedem Wochenende käme es zu Stürzen, erzählt er. Manchmal seien es schwerwiegende Massenstürze. „Das Geräusch ist das Schlimmste. Manchmal hört man die Schreie schon von weitem“, so Baum. Bisher sei jedoch außer Hautabschürfungen noch alles gut gegangen.

Seine Ziele für 2009 sind die Deutschen Meisterschaften. Lukas hofft, dass er in zwei Jahren in den Nationalkader aufgenommen wird, für den er jetzt noch zu jung ist. Seine Chancen stehen gut.

Lukas schulische Leistung leidet trotz allem zeitaufwändigen Trainings nicht. „Ich versuche, meine Noten zu halten“, sagt der Schüler. Was wohl kein Problem zu sein scheint. Sein Notendurchschnitt liegt bei 1,3.