Das Festival des deutschen Films

Seit sieben Jahren ist das Festival des deutschen Films fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Metropolregion Rhein-Neckar. Auf der Ludwigshafener Parkinsel trifft eine ständig wachsende Zahl von Besuchern auf die Fachwelt der deutschen Filmkunst. Sie alle, Macher wie Zuschauer, lieben das Kino und das Flair des Ludwigshafener Festivals in gleichem Maße. Waren es im ersten Festivaljahr bemerkenswerte 10.000 Besucher, zählten die Veranstalter in diesem Sommer nun schon 39.000 Zuschauer. Was macht den wachsenden Erfolg des Festivals aus? Es sind die gezeigten Filme, die nicht immer sämtlich bequem, schön gebürstet oder für ein großes Publikum geeignet sind. Und doch Juwelen von heute und von gestern bergen. 

Es sind die lang nachhallenden Momente, in denen Poesie erzählt wird. Es überraschen die unkomplizierten und grenzenlosen Begegnungen mit den Protagonisten des Films. Die persönlichen und die Fachfragen, die offenen Antworten angesichts des unverdorbenen Interesses eines Publikums, das im eigenen Lebensumfeld nicht mit Stars überschwemmt wird. Die Gespräche auf Holzbänken, das Zeitverstreichenlassen in Liegestühlen am Rheinufer. Das Flanieren und Hin- und Herbegegnen, Plaudern und Schwelgen in anderen (Film-)Welten. Und das Lächeln der Besucher, in denen all das nachklingt. Schön ist, dass die Professionalität, die in Zelten auf Holzbretterböden stattfindet, wirken kann. Auf der Parkinsel ist der Rahmen nicht wertvoller als das eigentliche Bild.

In diesem Jahr eröffneten die Festivaltage mit dem Film Schenk mir dein Herz (siehe Filmtipp). Das war eine beeindruckend gelungene Wahl, zeigt dieser Film doch wie kein anderer eine Leichtigkeit mit Tiefgang, Intelligenz mit Humor, ein modernes Gesellschaftsproblem ohne Schwermut. Es ist ein Stück des neuen Deutschlands. Die Hauptdarsteller Peter Lohmeyer, Paul Kuhn und Mina Tander präsentierten gemeinsam mit Regisseurin Nicole Weegmann und Produzent Ralph Schwingel den Film auf der Parkinsel. In den legendären Strandgesprächen beantworteten sie anschließend gerne die Fragen des Publikums. Paul Kuhn (83 Jahre) ließ es sich nicht nehmen, mit der leichtfüßigen Vitalität eines junggebliebenen Jazzmusikers seinem Publikum ein kleines Konzert in den Festivalzelten zu bieten. Abstandslos und unkompliziert.

Die öffentlichen, moderierten Fachgespräche im Anschluss an jede Kinovorstellung waren in diesem Sommer mit rund 10.000 Teilnehmern außerordentlich gut besucht, wobei es kaum eine Rolle spielte, ob die Filmemacher und Schauspieler bereits renommiert oder dem Publikum noch gänzlich unbekannt waren. Die Regisseure selbst zeigten sich überwältigt von den intensiven und intelligenten Begegnungen mit dem Publikum, die als einzigartig empfunden werden.

Der Film Schlafkrankheit von Ulrich Köhler, produziert von Komplizen Film, trug den mit 50.000 Euro dotierten Filmkunstpreis davon. Besondere Auszeichnungen gingen an die Schauspieler Eberhard Kircher (Dreileben-Trilogie), Heino Ferch (Spuren des Bösen) und Sandra Hüller (Brownian Movement, Über uns das al“) sowie die Regisseure Johannes Naber (für die Regie Der Albaner) und Jan Schomburg (für das Drehbuch Über uns das All). Der Publikumspreis ging an Ein Tick anders von Andi Rogenhagen.