Aufschwung Neustadt

Sind die vergangene Wirtschaftskrise und der anschließende Aufschwung in einer landwirtschaftlich-touristischen Region wie der Pfalz überhaupt spürbar? Mit Thomas Hammann, Geschäftsführer der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft der Stadt Neustadt an der Weinstraße, sprach Chili über die Auswirkungen der allgemeinen Wirtschaftsströme.

Chili: Welche Auswirkungen hat die Wirtschaftslage auf den Tourismus?

Hammann: Tatsächlich führte die vergangene Finanzkrise in der Pfalz zu einem Anstieg der Übernachtungszahlen und der Tagesgäste. Die Menschen favorisierten Kurztrips in erreichbarer Nähe, wovon die Pfalz eindeutig profitierte - und so auch Neustadt. Das gab Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen sowie Winzern, der Gastronomie aber auch dem Einzelhandel Gelegenheit, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, ihr Angebot neuen Kunden und einer breiteren Zielgruppe zu präsentieren und sich somit für die Zukunft positiv zu positionieren.

Chili: Welche Auswirkungen hat der Wirtschaftsaufschwung auf den Einzelhandel?

Hammann: Die Innenstadt von Neustadt hat keine nennenswerten Leerstände von Geschäftsräumen, die aus der vergangenen wirtschaftlichen Lage resultieren. Ausgenommen ist in der Betrachtung das Hertiegebäude, das jedoch außerhalb des Einflussbereichs der Verwaltung liegt und unabhängig von der Neustadter Lage betrachtet werden muss. Neustadt hat in der Vergangenheit als Einkaufsstadt stark an Attraktivität und Ansehen dazu gewonnen. Mit einer aktiven Willkomm, einer sehr guten Zusammenarbeit der Einzelhändler und vielen kleinen wie großen Ideen, die in einer erfolgreichen Umsetzung Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte, wurde der Zustrom der Kunden aus der gesamten Region deutlich gesteigert.

Chili:  Gab oder gibt es Neuansiedlungen von Gewerbe?

Hammann: Uns liegen immer Anfragen von Firmen vor, die in Neustadt Flächen suchen. Die Ansiedlungswünsche betreffen sowohl die Innenstadt als auch die Gewerbegebiete. Neustadt ist ein attraktiver Standort. Das lässt sich auch leicht an den Grundstücks- und Mietpreisen ablesen, die im nationalen Vergleich im oberen Drittel angesiedelt sind. Allerdings müssen wir in den Prüfverfahren die Lage Neustadts berücksichtigen. Wollen wir das Profil der Stadt auch in Zukunft wahren, dann müssen wir den besonderen Standort in einem Weinanbaugebiet mit touristischer Bedeutung schützen. Damit sind verschiedene Firmenansiedlungen mancher Branchen schlicht unmöglich. Auch können wir große Flächen, die beispielsweise ein Logistikunternehmen benötigt, nicht ausweisen. Wir stoßen an Nutzungsgrenzen – jedoch zum Wohle vieler bestehender Betriebe und Unternehmen. Im Bereich Dienstleistung und innovative Entwicklung – durchaus mittelständische wie auch große Unternehmen - sind wir stark. Neustadt ist Standort einiger bedeutender Firmen, die auch international tätig sind. Viele Neustadter Firmen konnten aufgrund der guten Wirtschaftslage in der jungen Vergangenheit ihren Betrieb sowohl in Fläche als auch in Mitarbeiterzahlen erweitern. Ruland, Flaschen Reis, Waterjet und Watercut zum Beispiel. Pfitzenmeier erweitert in Kürze. Die Firmen Ufer und Südwest Sound wählten Neustadt als Standort.

Chili: Welche Auswirkungen hatten die Finanzkrise und was ist vom wirtschaftlichen Aufschwung in unserer Region zu erwarten?

Hammann: Es gab Firmenschließungen und Gewerbe, die deutlich unter der Finanzkrise litten. Insgesamt jedoch ist Neustadt gut aus der Krise herausgekommen, einige Unternehmen sogar durch die Umsetzung neuer Ideen und neuer Netzwerken gestärkt und können jetzt auf ein besseres Betriebsergebnis setzen. Neustadt hat sich auf seine Stärken besonnen. Es hat sich gezeigt, dass es nicht immer einfach und doch enorm wichtig ist, das Profil der Stadt Neustadt, manches Mal auch mit unliebsamen Entscheidungen, zu schärfen.

Magazin