Aufgewacht, der Frühling lacht!

Das Beet schon lockert, sich‘s in die Höh‘,
Da wanken Glöckchen, so weiß wie Schnee
Safran entfaltet, gewalt‘ge Glut,
Smaragden keimt es, und keimt wie Blut.

Primeln stolzieren, so naseweis,
schalkhafte Veilchen, versteckt mit Fleiß;
Was auch noch alles, da regt und webt,
Genug, der Frühling, er wirkt und lebt.

(Johann Wolfgang von Goethe)


Der Lenz, ein zentrales Thema bei vielen Dichtern und Sängern .... und von vielen Menschen Jahr für Jahr herbeigesehnt – gerade nach den grauen, kalten Wintertagen. Der Frühling! Das Licht. Die Farben. All das hat uns in den letzten Monaten gefehlt. Nun werden die Tage wieder länger, die Sonne schickt ihre ersten warmen Strahlen, die Natur lebt auf und zeigt ein erstes zaghaftes Grün. Der Schnee schmilzt, die ersten Blumen sprießen, die Vögel zwitschern und beginnen mit dem Nestbau und viele Jungtiere werden im Frühling geboren. Wenn sich in der Natur alles regt und zu wachsen beginnt, spricht man vom Frühlingserwachen.

Kultureller Ursprung des Frühlings

In vielen Kulturen wie beispielsweise in allen Ländern Zentralasiens und auf dem indischen Subkontinent ist das Frühlingsfest zugleich der Jahresanfang. Auch im westlichen Kalender begann das Jahr ursprünglich im März, was man noch heute an den auf die lateinischen Zahlen zurückgehenden Monatsnamen September (septem = sieben), Oktober (octo = acht), November (novem = neun) und Dezember (decem = zehn) ableiten kann.

Frühlingserwachen von Kopf bis Fuß

Die meisten Menschen nehmen den Wechsel der Jahreszeiten deutlich wahr. Wir sprechen von Frühlingserwachen, Frühlingsgefühlen, Frühlingsblumen und Frühlingsfesten. Wenn im Frühjahr die Tage länger werden, scheinen unsere Hormone Hochsaison zu haben. Der Körper stellt seinen Hormonhaushalt um und schüttet verstärkt Endorphine, Testosteron und Östrogen aus. Wir bekommen Frühlingsgefühle und die sexuelle Erregbarkeit steigt an. Evolutionsbiologen sind der Meinung, dass dies ein Überbleibsel des geschlechtlichen Jahreszyklus darstellt, wie wir ihn bei vielen Tierarten finden.

Wie kann man der Frühjahrsmüdikeit entgegenwirken?

Manche Menschen werden im Frühling von der Frühjahrsmüdigkeit eingeholt. Sie macht sich bemerkbar in einer allgemeinen körperlichen Leistungsminderung, Abgespanntheit, Müdigkeit und einer geringeren psychischen Reserve. Woher sie kommt, ist bis heute nicht ganz geklärt. Viele Wissenschaftler sehen in der Frühjahrsmüdigkeit die letzten Ausläufer der so genannten Winterdepression. Sie ist eine saisonale depressive Störung, die in den Herbst- und Wintermonaten auftreten kann. Forscher vermuten einen Zusammenhang in der erhöhten Melatoninproduktion in den dunklen Wintermonaten und dem daraus resultierenden niedrigeren Serotoninspiegel. Serotonin ist ein Botenstoff, der beim Menschen für Stimmungsveränderungen verantwortlich ist. Bei zu wenig Tageslicht nimmt die Serotoninkonzentration im Gehirn ab und die gute Laune schwindet. Hinzu kommt, dass das im Körper vorhandene Schlafhormon Melatonin dann seine Wirkung besonders gut entfalten kann. Häufig fehlen den Zellen und dem Blut auch Vitamin C, Vitamin D, Magnesium und Zink in ausreichender Menge.

Zusammen mit viel Bewegung im Freien - möglichst bei Tageslicht - und eine ausgewogene vitaminreiche Ernährung sowie viel Flüssigkeit, wie Kräutertee, Mineralwasser oder Fruchtsaft, lassen sich die Lebensgeister aus dem Winterschlaf jedoch aufwecken. Gegen Kreislaufbeschwerden helfen morgendliche Wechselduschen (mit der kalten Dusche beenden) und Gymnastikübungen.

Genießen Sie den Frühling, gehen Sie spazieren, freuen Sie sich an den Blumen in ihrer Farbenpracht, nehmen Sie sich Zeit innezuhalten, um die neue Jahreszeit zu begrüßen.

Jaleh Nayyeri