Artemis Fowl

Seltsamerweise bewegte sich die Zeit ab und an in unterschiedlichem Tempo. Das war ihr damals als die Kinder noch klein waren schon aufgefallen. Die durchwachten Nächte am Krankenbett eines ihrer Söhne waren scheinbar endlos. Ganz anders die kurzen Zeitinseln, die sie damals für sich selbst herausschneiden konnte und sich mit einer Freundin auf einen Kaffee traf. Diese gingen so schnell vorüber, dass kaum Zeit blieb, alles zu sagen. Dann kamen die guten, entspannten Jahre – kurz bevor die beiden Kinder sich im Nebel der Pubertät verloren. Und endlich rückte die Zeit des Auszugs der beiden halbwüchsigen Kerle heran.

Voll gepfropft mit Gedanken, Wünschen, Arbeit, Erledigung, Querelen, Hoffnungen und Ängsten war diese kurze Phase des endgültigen Abschieds von der gemeinsamen Familienzeit. Am Tag als die Tür sich schloss, ruhte die Zeit. Margret hatte die Staubpartikel im Schein eines hereinfallenden Sonnenstrahls still stehen sehen. Nichts bewegte sich. Sogar die große alte Standuhr, die zu vollen Stunden immer das Haus mit diesem unnachahmlichen Big-Ben-Ton erfüllte, schwieg verdutzt. Diese Stille dauerte, bis das Leben langsam weiter rollte, floss und Fahrt aufnahm. Auf einmal hatte das Paar, das lange nichts anderes als Eltern war, wieder Zeit. Für sich. Nur nicht für einander. Doch das merkten sie erst, als viel Zeit schon vergangen war. Da hatte Hans schon jemand anderen gefunden, mit dem er Zeit verbrachte. Margrets Zeit bremste ein weiteres Mal auf null. Doch dieses Mal war es anders. Sie blieb stehen, während sich um sie herum alles bewegte und drehte. Jeder ging seines Weges und alle Wege führten von ihr fort. Hans ging und nahm die Zeit mit. Die gemeinsame Zeit. Die guten Erinnerungen, die Wünsche, Illusionen und den gemeinsamen Lebensplan. Als alle und alles Margret verlassen hatten, erhob sie sich. Von da an ging sie in ihre eigene Zeit und in ihrem eigenen Rhythmus.

Info:

Eoin Colfer
Artemis Fowl (bislang sechs Bände)
List Verlag

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