Alles

Wahrlich Alles, was Kunst des 20. Jahrhunderts zu bieten hat, wirft sich dem Besucher des Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum zurzeit noch entgegen. Nach einer 17 Monate währenden Modernisierungsphase hielt das Museum seine Pforten geschlossen, Teile der Ausstellung fanden vorübergehend Asyl in Kaiserslautern, andere ruhten gut verstaut. Anfang März nun eröffnete das Wilhelm-Hack Museum pünktlich zu seinem 30. Geburtstag und zeigte ein frisches und modernes Gesicht.

Energietechnisch setzt das Gebäude nach Abschluss der Arbeiten neue Maßstäbe und wird zum Vorzeigeobjekt für energieeffizientes Modernisieren im Museumsbereich. Der Energieverbrauch im Gebäude wird sich laut Plan um bis zu 60 Prozent reduzieren dank einer besseren Wärmedämmung durch neue Fenster, besserer Isolierung der Außenwände und einer Aufrüstung des Hauses mit Solarmodulen. Nach der Sanierung wird – so hoffen die Verantwortlichen - ein energetisches Niveau erreicht, das 40 Prozent unter den staatlichen Vorschriften der Energieeinsparverordnung für Neubauten liegt. Damit konnte die 4,6 Millionen Euro umfassende Maßnahme als Pilotprojekt in das Förderprogramm der deutschen Energie-Agentur aufgenommen werden. Das Konzept schuf darüber hinaus optimale Bedingungen für die Ausstellungsaktivitäten. Sicherheits-, Klima- und Lichttechnik wurden auf den neuesten internationalen Stand gebracht, um auch in Zukunft Ausstellungen auf höchstem Niveau und mit bedeutenden Leihgaben aus aller Welt zu ermöglichen. Das klare Raumkonzept ermöglicht mehr Hängemöglichkeiten und die für alle Objekte nötigen optimalen Lichtverhältnisse. Unter neuer Leitung von Dr. Reinhard Spieler zeigt das Wilhelm-Hack-Museum noch bis zum 26. April 2009 die gesamte und eigene Sammlung von 9.236 Werken vollständig in der so genannten Petersburger Hängung, was soviel bedeutet wie in enger Reihung bis an die Decke. Das Besondere daran ist die fehlende Ordnung auf den rund 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Damit verbunden ist die Gleichstellung aller Stile, Epochen und Künstler. Dabei werden bewusst Werke gezeigt, die selten oder sogar nie zu sehen sind, um dem Betrachter eine Fülle darzulegen, dessen, was Kunst zu bieten hat. Werke von Miró, Chagall, Jawlensky, Kandinsky, Otto Müller, Picasso, Macke, Dix und unendlich viele mehr reihen sich aneinander. Staunend wandert der Blick von einem Werk zum anderen. Eine Herausforderung für den Betrachter – gar eine Überforderung durch Reizüberflutung. Da finden sich Warhols Tomatensuppen neben Zidas Freier Internationaler Tankstelle, Arbeiterbilder neben Wohlstandsgrafiken, Picassos in Nachbarschaft zu Werken weniger bekannten Kollegen. Wohl wissend, dass man zwar das ein oder andere Bild gesehen, vielleicht sogar wahrgenommen, aber eventuell nicht betrachtet und schon gar nicht gewürdigt hat, schlendert man weiter. Zuviel ist es, was sich dem Betrachter aufzwängt. Und doch ist die Begeisterung über die überwältigende Sammlung groß, denn in der Ankündigung des Jahresprogramms des Wilhelm-Hack-Museums zeigt sich, dass im Kommenden eine thematische Reduzierung erfolgen wird, um das Gesehene im Kontext wieder zu finden. So schließt sich mit simply the best vom 29. Mai bis 2. August aus der vorher erlebten Fülle eine Ausstellung ausgewählter Highlights an. Diese Konzentration auf Eckpfeiler der eigenen Sammlung soll den Blick des Betrachters für die darauf folgende Neupräsentation schärfen, die unter dem Titel hackordnung vom 15. August 2009 bis 16. August 2010 eine jährlich variierende Reihe von Szenenwechseln im Sammlungsbereich eröffnet.

Alles ist zuviel für einmal. Alles macht aber Lust auf mehr. Denn Alles hat gezeigt, dass Kunst für jeden ist. In kleineren, besser verdaulichen Häppchen.

Kontakt:

Wilhelm-Hack-Museum
Berliner Straße 23
67059 Ludwigshafen
www.wilhelm-hack-museum.de 

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