Advent, Advent, woher kommst Du?

Die Adventszeit hat etwas besonders Feierliches, Emotionales vielleicht auch Kindliches, was die Menschen bewegt. Für viele ist es die schönste Zeit des Jahres – abgesehen vom Wetter, das leider in unseren Breiten eher schmuddelig als weihnachtlich ist. Manchmal sogar ist es so warm, dass der Glühwein auf den Weihnachtsmärkten überhaupt nicht schmeckt und man so erwärmt wird, dass man ins Schwitzen gerät. Doch trotz allem ist die Zeit für denjenigen, der sich auf sie einlassen kann und nicht nur von einem Termin zur nächsten Besorgung rennt, herrlich still, beruhigend und freundlich.

Der erste Advent fällt zwischen den 27. November und 3. Dezember eines Jahres. In diesem Jahr beginnt die Adventszeit am 30. November. Sie endet am Heiligen Abend. Mit dem ersten Advent beginnt in den katholischen und evangelischen Kirchen das neue Kirchenjahr. Der Name Advent ist lateinisch und bedeutet Ankunft. Gemeint ist die Geburt des Sohnes Gottes als Erlöser. Wenn sich vor 2000 Jahren der Kaiser in Rom meist zu Schiff übers Mittelmeer zu einer Reise in seine Provinzen aufmachte, dann wurde er prächtig als Gottgleicher mit einem gewaltigen Fest empfangen. Adventus Augusti als Innschrift auf so genannten Adventsmünzen geben aus dieser Zeit Zeugnis der provinziellen Herrscherverehrung. Nur nicht in Judäa, die als einzige Provinz sich diesem Rummel entzog. Sie glaubten an die Ankunft des Erlösers, der in der Tat von Gott gesandt werden würde und der Herrschaft der Unterdrücker, also den Römern, ein Ende bereiten würde. Das Unterlassen der Huldigung und der Glaube an einen weit mächtigeren König schürten Misstrauen und die Ängste der Machthaber. Viele wie Johannes der Täufer, die drei Herren aus dem Morgenland und die Prophezeiung, dass Maria die Mutter des Erlösers sein werde, heizten die Stimmung weiter an und führten letztendlich zu der Kurzschlusshandlung Herodes‘, der alle Kinder, die in Frage kommen konnten, töten ließ. Jesus wurde geboren, entkam dem kollektiven Kindsmord und wuchs unbemerkt von den Mächtigen auf. Erst als erwachsener Mann begann er sein öffentliches, wenngleich kurzes Leben und Wirken.

Der Termin Weihnachten stimmt definitiv nicht mit dem historischen Datum überein. Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember seit 336 in Rom belegt; die Herkunft des Datums ist umstritten. Der Termin liegt nahe an der Wintersonnenwende, was die Geburt von Jesus Christus mit der Rückkehr des Lichts nach den dunklen Wintermonaten verbindet. Zudem wurde damit der antike römische Feiertag des Sonnengottes Sol Invictus abgelöst. Das oft mit Weihnachten in Verbindung gebrachte germanische Julfest ist erst später belegt.

Im fünften Jahrhundert wurde im Gebiet um Ravenna in Italien erstmals Advent gefeiert. Die Adventsliturgie wurde im sechsten Jahrhundert von Papst Gregor dem Großen, festgesetzt. Er bestimmt auch die Anzahl der Adventssonntage. Die vier Wochen deuten symbolisch auf 4000 Jahre, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten musste. Früher war die Adventszeit eine kirchliche Fastenzeit. Den Status hat sie wohl gänzlich eingebüßt. Der Adventskranz ist ein noch junger Brauch, der erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Österreich seinen Ursprung nahm. Der Christstollen hingegen als ureigenstes Weihnachtsgebäck fand seine erste Erwähnung im Jahre 1330. In Deutschland wurden früher ab dem 24. August mit der Zurüstung für die weihnachtliche Festtafel begonnen. An diesem Tag (Bartholomäustag) wurden die Karpfen in den Teichen und die Gänse gemustert und mit der besonderen Mast begonnen. Der frühe Beginn hatte den Vorteil, einen Teil der Weihnachtsfreude in die festlose Zeit mitzunehmen und rechtzeitig für das Weihnachtsfest vorzusorgen. Diese Aufgaben haben heute die Supermärkte übernommen, wo schon früh die ersten Schokoladennikoläuse auftauchen und neugierig betrachtet werden. In unserer Zeit des Überflusses werden derartige konsumorientierte Langzeitvorläufe auf Festtage von den meisten Menschen kritisch betrachtet.