Im Gehege
Jon ist 52 Jahre alt, Deutsch- und Lateinlehrer, verheiratet mit Charlotte,
kinderlos. Sie führen keine glückliche Ehe. Er geht jeden Tag joggen, ist in
körperlich guter Form, sieht sehr gut aus für sein Alter und hat seit einigen Jahren Affären mit anderen Frauen. Seine Frau führt die elterliche Gärtnerei weiter, der
Schwiegervater hat den beiden das große, etwas protzige Haus gekauft und vererbt, in dem Charlotte unsanft zu Tode kommt.
Sie fällt betrunken und tobsüchtig die Treppe hinunter und bricht sich das Genick. Ihr Tod kommt Jon nicht ungelegen, hat er ihr doch gerade eröffnet, dass er sie verlassen wird. Er hat sich in die neue Kollegin verliebt und diese Liebe ist größer als die Tändeleien, mit denen er sich bislang beschäftigte.
Nun ist seine Frau tot, er als Witwer frei, erbt das Vermögen, das Haus und die Gärtnerei. Die Polizei und ein gemeinsamer Freund der Eheleute stellen unangenehme Fragen und so verheimlichen Jon und seine Freundin die neue Liebschaft. Nur mühsam täuscht er Trauer vor, während er an seiner befreiten, gemeinsamen Zukunft mit Julie arbeitet.
Es folgen noch einige Morde, die im Zusammenhang mit diesem Versteckspiel stehen. Jon verstrickt sich immer tiefer in die obsessive Liebe zu Julie, die sich ihm immer wieder seltsam entzieht und ihn am langen Arm auf unerklärliche und für Jon unerträgliche Weise auf Distanz hält. Irgendwann können die Morde doch nicht so stehen bleiben, so unentdeckt, ohne dass der Polizei etwas auffällt und ohne dass Jon von seinem schlechten Gewissen geplagt wird. Langsam bröckeln Jons Konstruktionen, seine Bemühungen um Kontrolle wirken angestrengt und er verliert genau diese. Der langsame Verfall nimmt Fahrt auf. Das neue Leben mit Julie endet in der bitteren Erkenntnis, dass diese Liebe und Julie nicht das sind, für das er sie gehalten hat.
Das ist das dritte Buch der Autorinnen Martina Borger und Maria Elisabeth Straub. Sie arbeiten als Drehbuchautorinnen ebenfalls als erfolgreiches Duo. Und genau diese Arbeit merkt man dem Buch an. Szenen reihen sich aneinander, Dialoge sind sehr gut gezeichnet, es gibt viel Handlung. Dabei bleibt die Spannung gewahrt, was den Roman zu einem großen Lesevergnügen macht. Wer allerdings ästhetisch-literarische Sprachspiele sucht oder zumindest einen anspruchsvollen Erzählstil, der sei gewarnt. Es handelt sich um gehobene Unterhaltungsliteratur mit gutem Plot und griffigem Handlungsstrang, der bestens unterhält.
Chili Buchtipps
Service-Hotline
06321-8 900 900


Kommentare
Kommentar hinzufügen